Haben Sie       

am 6. Januar die Sternsinger vermisst?
Freilich, im letzten Dreivierteljahr hat man viel vermisst – große Familienfeiern, Konzerte, Theater, Sport-Events, den großen Urlaub und, und, und, aber dass die Hl. Dreikönige „mit ihrigem Stern“ ausgerechnet im Jubiläumsjahr die Häuser meiden müssen – bitter!
Aber was für ein Jubiläum?
Es erinnert an eine kleine Schwedin, wenn man hört, dass es 1846 die 15-jährige Auguste von Sartorius aus Aachen war, dass sie, von der Not anderer Kinder berührt, die Idee „Kinder helfen Kindern“ in die Tat umsetzte, das, was man seit 1959 die Sternsinger und deren „Dreikönigsingen“ kennt.
Das Dreikönigsingen ist also keine Fortsetzung des gleichnamigen Brauchs, der sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen lässt, und der vom frommen Umzug letztendlich als Heischegang auch den Zweck hatte¸ armen Männern durch das Singen von Segensliedern ein paar Äpfel oder Eier, vielleicht ein paar Pfennige für die hungernde Familie in den Bettelsack zu stecken. Das führte wohl auch zu Auswüchsen, weshalb das Sternsingen gelegentlich verboten wurde, so 1780 in Thüringen, wogegen aber kein Geringerer als J.W. Goetheeischegang auch d am 6. Januar 1781 mit einer wohlwollend-humorvollen Variante des üblichen Liedes protestierte und seine Freundin Corona (!!) Schröter den ersten König spielte…
Das Neue und völlig Andere seit 1959 ist also, dass Kinder und Jugendliche für andere Kinder unterwegs sind, dieses Jahr vor allem für arme Kinder in der Ukraine, deren Eltern sie allein lassen müssen, weil sie gezwungen sind, zum Arbeiten ins wirtschaftlich besser aufgestellte Ausland zu gehen.
Auguste hatte ihre Idee aus Frankreich, da waren es schon zwei – heute sind die Sternsinger in 120 Ländern vertreten. Eine Erfolgsgeschichte! Mit dem Motto „Segen bringen, Segen sein“ ziehen die jungen Leute von Haus zu Haus oder zu angemeldeten Familien. Seit 1959 kamen über eine Milliarde zusammen, um inzwischen 2300 Projekte, in denen auf Nachhaltigkeit geachtet wird, in armen Ländern mit Geld versorgen zu können. Dieses Jahr ist leider alles anders (die Heilbronner Stimme berichtete am 4. Januar). Wenn das Goethes Freundin Corona bei ihrem Auftritt am 6.1.1781 geahnt hätte, dass ihr Vorname einmal eine traurige Berühmtheit erlangen und sogar das, inzwischen längst ökumenische, Dreikönigsingen behindern würde…
www.sternsinger.de
H.E


Das hört man gern!

„Wo haben Sie denn diese tolle Tasche her?“ wurde kürzlich jemand in Heilbronn gefragt. Die Angesprochene freute sich, dass ihr schönes Stück wahrgenommen wurde, setzte schnell ihre Maske auf (denn sie wollte nicht zu knapp antworten) und sprudelte los. „Für diese Tasche und einige andere fahre ich nach Flein!“ – und ihre Begeisterung war trotz des dicht schließenden Mund- und Nasenschutzes nicht zu übersehen.
Soviel wollte die Fragerin eigentlich gar nicht wissen, konnte sich aber der lebhaften Kundin nicht entziehen und (sie ließ dafür zwei Busse der Linie 10 ohne sie weiterfahren) erfuhr im Schnellkurs alles, also warum es die Weltläden, wo und wie viele es gibt, was das Besondere an dieser Idee ist (was, die wollen die Welt gerechter machen??) und so weiter und so fort!
Im Weltladen hört man das natürlich gern und legt die Geschichte im Extra-Ordner unter „F“ ab – F wie Feedbacks.
Machen Sie die Probe aufs Exempel, gerade jetzt vor Weihnachten in Coronazeiten, unter denen besonders auch unsere Partner und Lieferanten in den armen Ländern schwer zu leiden haben.
Ebenso in ihrem Namen: Herzlichen Dank!

H.E.

Alle Jahre wieder

werden junge Fichten geschlagen, um als Weihnachtsbaum, geschmückt mit allerlei Flitter, einige Tage lang für die rechte Stimmung zu sorgen. Viel älter ist allerdings der Brauch, das Geschehen von Bethlehem im Miniformat figürlich darzustellen – mit der Weihnachtskrippe.
„Krippen aus aller Welt“ war vor Corona so manche Ausstellung überschrieben, und in abertausend Werkstätten und Hobbykellern entstanden professionelle und dilettantische kleine Kunstwerke, mit Liebe gemacht und aus allen Materialien, die man sich nur denken kann. Krippenvereine pflegen die Tradition, Sammler durchstöbern die Flohmärkte, Krippenmuseen präsentieren ihre Schätze (z.B. in Oberstadion, München, Brixen oder Telgte) und Ethnologen schrieben und schreiben Bücher zum Thema.
Auch in den Lieferländern der Weltläden (sog. „3.“ Welt) kennt man die Weihnachtskrippe. Peru vor allem hat in dieser Beziehung sogar eine gewisse Berühmtheit erlang, weil dort nicht nur die spanische Tradition („Retablos“) gepflegt wird, sondern die andine Volkskunst ausdrucksstarke und preisgekrönte Figurengruppen hervorgebracht hat.
Einige wenige Exemplare – für den kleinen Geldbeutel – haben wir noch anzubieten, aber natürlich jede Menge an Weihnachtsdeko – und nicht alltägliche Geschenke.

H.E.


Kümmert uns Kamerun?

„Deutschland muss Vermittlerrolle übernehmen“, fordern Brot für die Welt und MISEREOR gemeinsam und begründen dies mit den historischen Beziehungen Deutschlands und Frankreichs zu Kamerun. Der Appell an die Bundesregierung, die EU-Ratspräsidentschaft und den Vorsitz im UN-Sicherheitsrat zu nutzen, diesen Konflikt beizulegen.
Welchen Konflikt?
Genau vor vier Jahren streikten Lehrerinnen und Lehrer in den englischsprachigen Provinzen des Landes, um damit gegen die Benachteiligung der anglophonen Bevölkerung friedlich zu protestieren. Die Unterdrückung durch die Zentralregierung und die Gegengewalt durch bewaffnete Unabhängigkeitsgruppen hatten bis jetzt über 3.000 Tote, 679.000 Binnenflüchtlinge, 58.000 Geflüchtete in den Nachbarländern und eine traumatisierte Bevölkerung zur Folge. Auch das mit uns sehr verbundene Kloster Babété ist schwer davon betroffen (wir berichteten immer wieder darüber). Weitere Informationen bei Brot für die Welt (Tel. 030. 65 21 11 833) und MISEREOR (Tel. 030. 44 35 19 88).
Ob man unsere Bundestagsabgeordneten darauf ansprechen kann?

„Was ist ein Paukenengel?“

Fragt „momente“, die Zeitschrift der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, ihre Leser und liefert gleich die Antwort dazu:
Paukenengel sind vollplastische große Engelfiguren hauptsächlich des Barock, die, auf dem Orgelprospekt einer Kirche sitzend (oder stehend), die - pedaltraktierbar – mit den Flügeln schlagen und auf die Pauke hauen.
Nun, solche Kostbarkeiten kann ein Weltladen natürlich nicht bieten, aber Engel und Engelein in vielen (kleineren) Größen und Gestalten. Engel haben Konjunktur und deshalb sind sie auch schnell ausverkauft. Dann gibt es immer noch viele andere schöne Dinge, die in der coronageprägten Advents- und Vorweihnachtszeit im trauten Heim für Trost und bessere Stimmung sorgen.

H.E.

 

Das Gesetz Nr. 31047 und eine mutige Frau

Machu Picchu lockt die Touristen aus aller Welt an, in den Museen des Landes bewundert man die vorkolumbianischen Goldpreziosen (soweit sie die Eroberer nicht gestohlen haben), und die lebendige Volkskunst wird bis heute nicht nur bewundert, sondern gekauft und gesammelt. Einer der es wissen muss, José Maria Arguedas, Schriftsteller und Ethnologe sagt: „Es gibt kein Land, das reichhaltiger ist an landschaftlicher und menschlicher Verschiedenheit, das alle Skalen an Farbtönen und Temperaturen, an Liebe und an Hass, an Verschwörungen und Spitzfindigkeiten und an benutzten und inspirierenden Symbolen umfasst!“
In Peru gibt es wie überall Licht und Schatten.
Im Bürgerkrieg zwischen der Regierung und der Rebellenarmee „Leuchtender Pfad“ von 1980 bis 1992 starben 26.000 Menschen. Die Goldgier der meist ausländischen Bergbaukonzerne zerstört ganze Landstriche und macht die Menschen krank. Aber die neuesten Radio-Nachrichten lassen aufhorchen: Der Präsident des Landes wurde vom Parlament abgesetzt wegen des Vorwurfs der Bestechung, die sechs Jahre zurückliegt.
Und wie Publik-Forum im neuesten Heft berichtet, wurden jetzt endlich – nach 30-jährigem Kampf – mit dem Gesetz Nr. 31047 die Rechte von mindestens einer halben Million Hausangestellter, der sog. Empleadas, anerkannt.
Eine der Vorkämpferinnen für diese Rechte ist seit 24 Jahren Sofia Mauricio Bacilio, die schon mit 7 Jahren als Hausmädchen arbeiten musste, um ihre alleinerziehende Mutter mit fünf Kindern zu entlasten.
„No somos invisibles“ steht groß auf ihren T-Shirt, und genauso heißt auch eine Radiosendung, über die Sofia regelmäßig ihre Schicksalsgenossinnen informiert: Wir sind nicht mehr unsichtbar.
Die peruanische Gesellschaft ist noch weit davon entfernt, die Arbeit der Empleadas wertzuschätzen – deshalb werden zur Zeit die Sanktionen für uneinsichtige Arbeitgeber – Familien der Besserverdienenden – im zuständigen Ministerium festgelegt.
Bravo, Sofia Mauricio Bacilio!

H.E.


CIR

Hinter dem Kürzel steht eine mittelgroße, be- und geachtete Menschenrechtsorganisation, die „Christliche Initiative Romero“ in Münster. Die Organisation wird auch in unseren Beiträgen öfters zitiert, weshalb wir sie hier kurz vorstellen.
Romero?
Oscar Arnulfo Romero, Erzbischof von San Salvador (Hauptstadt von El Salvador in Mittelamerika), wurde am 24. März 1980, am Altar seiner Kirche stehend, hinterrücks erschossen. Ermordet wurde er, weil er Rechtlosigkeit, Unterdrückung und Ausbeutung in seinen Predigten beim Namen nannte, weil er mit seinem Kampf für Gerechtigkeit den Herrschenden den Spiegel vorhielt.
Oscar Romero wörtlich: „Mich kann man töten, nicht aber die Stimme der Gerechtigkeit!“
Der große Mann aus dem kleinen Land – etwa 7 Mio. Einwohner – wurde zum Namensgeber der CIR, die ein Jahr nach seinem Tod gegründet wurde.
Die entwicklungspolitische Organisation für Arbeits- und Menschenrechte hat sich auf die Arbeit vor allem in den Ländern Mittelamerikas „spezialisiert“. Schwerpunkt ist die Unterstützung von Basisbewegungen und Organisationen sowie die Kampagnen- und Bildungsarbeit in Deutschland.
Die CIR arbeitet auch mit ähnlich orientierten Organisationen zusammen, so zum Beispiel bei der Forderung „Keine Ausbeutung mit Steuergeldern!“, die eine verantwortungsvolle öffentliche Beschaffung zum Ziel hat (hier sind die Partner u.a. der Evangelische Entwicklungsdienst (eed), Greenpeace, die Gewerkschaften ver.di und IG Metall, terre des hommes und die Verbraucherinitiative).
Wenn Sie mehr wissen möchten: www.ci-romero.de
Für die Schul- und Gruppenarbeit, aber auch Einzelinteressenten, steht eine umfangreiche Materialien-Liste zur Verfügung.

H.E.



Siegel, Label & Co

Zurzeit sind knapp 40 Siegel auf dem Markt, die den Bereich Lebensmittel und Textilien in sozialer und/oder ökologischer Hinsicht markieren. Man unterscheidet zwischen Gütesiegeln (Qualitätssiegel), die die Produktion und/oder den Handel zertifizieren und sich an die Käufer/innen richten (Eigenmarken „EM“ sind eine Unterkategorie der Gütezeichen), den Multi Stakeholder-Initiativen (MSI) und den Unternehmens-Initiativen (UI).
Wer blickt da noch durch?
Die Christliche Initiative Romero (CIR) hat die Label in den Kategorien Soziales, Ökologie und Glaubwürdigkeit überprüft und in einer Übersicht herausgebracht (www.ci-romero.de).
Im Fairen Handel ist vor allem das blau-gelb-schwarze Fairtrade-Siegel bekannt.
Was bedeutet es aber, wenn die Produkte zum Beispiel der GEPA (früher Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der 3. Welt, heute The Fair Trade Company) dieses Siegel nicht tragen, sondern ausschließlich die Eigenmarke GEPA fair plus?
Die GEPA als einer der Pioniere des Fairen Handels verweist selbstbewusst darauf, dass sie mehr, ja sogar wesentlich mehr tut, als die Kriterien der WFTO (Welt-Fair Handelsorganisation) verlangen: Seit 1977 fördert sie nicht nur soziale, sondern auch umweltverträgliche Produktion, bietet ferner Vorfinanzierung und praktiziert lange, z.T. jahrzehntelange Handelsbeziehungen zu den Partnern, sowie deren Beratung (75 % der GEPA-Food-Produkte stammen inzwischen aus Bio-Anbau). Es gibt Prämienzahlungen und Qualitätszuschläge und weiteres mehr.
Preise und Auszeichnungen, z.B. Deutscher Nachhaltigkeitspreis (mehrere Jahre), die Goldmedaille der Verbraucherinitiative, der Pegasus Preis von „Reader’s Digest“, der ECOCAR-Award und der Wuppertaler Wirtschaftspreis, untermauern den hohen Anspruch der GEPA.
Die Gesellschafter der GEPA, unter ihnen Brot für die Welt, MISEREOR und der Evangelische Entwicklungsdienst (eed) garantieren für Solidität und Seriosität.
Übrigens: Auch andere Fair Handelshäuser verzichten auf das Fairtrade-Siegel und sind trotzdem hochgeschätzt.
Eine Kurzform der o.g. Siegelübersicht ist im Laden zu haben.

H.E.

Das Grauen nimmt kein Ende - ein Hilferuf! 

Als wäre das nicht genug: Die Bevölkerung im englischsprachigen Teil Kameruns wird seit Herbst 2016 von zwei Seiten bekriegt – von Regierungssoldaten und von verschiedenen Unabhängigkeitsbewegungen – mehr als 3000 Todesopfer, 680.000 Binnenflüchtlinge und etwa 60.000 Flüchtlinge sind die Folge. Und jetzt kam auch noch die Corona-Pandemie dazu, mit laxen staatlichen Vorsichtsregeln, weil ein Lockdown wirtschaftlich nicht lange durchzuhalten wäre.

Wir haben an dieser Stelle schon oft über das Benediktinerinnen-Kloster Babété berichtet. Nicht nur, weil wir den Import ihrer Trockenfrüchte nach Deutschland organisiert haben und die köstlichen Ananas in unserem Laden verkaufen, sondern weil die 14 afrikanischen Nonnen u. a. auch ein Waisenhaus mit mehr als 20 Kindern und eine kleine Krankenstation betreiben und der Weltladen Flein-Talheim diese soziale Arbeit mit Spenden unterstützt.

Seit 2018 beherbergt das Kloster nun schon regelmäßig mehr als 100 Binnenflüchtlinge, denen es Seelsorge, Nahrung, Ausbildung und Unterkunft bietet. Staatliche Hilfen gibt es dafür nicht. Aber was hat das Virus zusätzlich angerichtet? Dazu ein Auszug aus der jüngsten Nachricht der Oberin, Schwester Odette:

„Hier sind wir in völliger Quarantäne. Das Corona-Virus hat unsere Gemeinschaft wirklich getroffen, einige Schwester sind schon seit 1 Woche im Bett. Ich selbst bin sehr müde und sehe die anderen im ihrem Zustand ohne Kraft und ohne Appetit. Und die vielen Medikamente ...

Wir konnten 60 Tests an anderen durchführen, die als Mitarbeiter und Flüchtlingen direkt mit uns zusammenleben, aber wir haben es nicht für alle um uns herumgetan. Ich bin geschockt von der Realität. Wir müssen abwarten und schauen, was kommt ...

Letzte Woche starb ein Mädchen und gestern eine andere Person ... Ich mache mir große Sorgen um die älteren Schwestern. Aber ihre Tests sind negativ.

Wir beten viel, dass die Infektion in jeder Familie aufhört, in der es im Moment Krankenhauspatienten gibt. Überall das Gleiche - Fieber, Kopfschmerzen, Husten, Appetitlosigkeit, hohe Temperatur 39 bis 40 ...“

In der Krankenstation sind keine Medikamente mehr vorhanden, weil kein Geld zur Beschaffung zur Verfügung steht.

Der Weltladen hat in den letzten Tagen wieder eine Spende nach Babété geschickt. Auch Sie können zur Linderung der Not beitragen: Spendenkonto Weltladen Flein-Talheim, IBAN DE39 6206 2643 0044 9410 13, Stichwort: Spende Babété. Sie erhalten eine Spendenquittung, wenn Sie uns Ihre vollständige Anschrift mitteilen.


So schnell kann´s gehen.

„In Vorbereitung“ sei die Fair Toys Organisation; der auf der weltgrößten Spielwarenmesse in Nürnberg im Januar ein „erfolgreicher Start in die Gründungsphase“ prophezeit wurde. Und am 14. Juli war es soweit – die Fair Toys Organisation wurde gegründet. Spielzeugindustrie und Zivilgesellschaft arbeiten gemeinsam und gleichberechtigt an der Verbesserung von sozialen und ökologischen Standards in der Spielzeugproduktion. Arbeiter und Arbeiterinnen, die ohne Schutzausrüstung mit Schadstoffen hantieren, die Überstunden weit über die gesetzlichen    Grenzen hinaus leisten, die zu zehnt in notdürftigen Unterkünften schlafen und nur einen Hungerlohn erhalten – solche Zustände sollen der Vergangenheit angehören.
Von Januar bis Juli, das hört sich gut an, aber dass die Christliche Initiative Romero (CIR) seit Jahren, ja Jahrzehnten, für diesen Erfolg gekämpft hat, muss natürlich auch erwähnt werden.
Und ein leicht zu merkendes Logo hat die FTO auch schon: Links vor einem liegenden gelben Rechteck steht ein kleineres grünes Rechteck – fertig ist das Zügle. Der Lokomotivführer und die Passagiere sind durch farbige Dreiecke dargestellt.
www.fair-toys.org

CC steht für Saubere Kleidung

Clean Clothes Compaign, eine internationale Kampagne mit dem Ziel, in der globalen Textilindustrie Menschenrechte und existenzsichernde Löhne durchzusetzen. Ein großer Erfolg wäre das bei der Regierung umstrittene Lieferkettengesetz.
Ein kleiner Erfolg aber jetzt schon ist der sog. „Fashion Checker“. „Das Online-Tool bringt Details über die Lieferketten der größten Modemarken der Welt an das Licht“ schreibt die an der Kampagne beteiligte Christliche Initiative Romero (CIR) in ihrem neuesten Bulletin „presente“.

www.ci-romero.de

H.E.


Nicht nur Kaffee und Tee… Heute: Spielzeug

Eine meisterliche Karikatur von Gerhard Meister: Irgendwo in Asien, dichtgedrängt sitzen Arbeiterinnen an ihren Nähmaschinen, der Schweiß tropft ihnen von der Stirn auf den Stoff in den Händen – und vor ihnen steht drohend als Einpeitscher der Weihnachtsmann mit der Rute – „Schneller! Die lieben Kinder in Europa warten auf ihre Geschenke!“ legt ihm der Zeichner in den boshaften Mund.
Die Karikatur ist 17 Jahre alt und leider noch so aktuell wie damals: Neueste Recherchen (Nov. 2019) der Organisation „Child Labor“ im Auftrag der Christlichen Initiative Romero (CIR) in Münster, der Werkstatt Ökonomie in Heidelberg und des Nürnberger Bündnisses Fair Toys (Nürnberg ist kein Zufall!) in fünf Fabriken, die alle den internationalen, also auch deutschen, Markt beliefern, haben 19 Missstände aufgedeckt, von denen sechs in allen untersuchten Fabriken festgestellt wurden, nämlich keine systematische ärztliche Untersuchung vor Arbeitsantritt, übermäßige Überstunden, keine Zahlung existenzsichernder Löhne, kein 24-Stunden-Sicherheitstraining, Mangel an unabhängigen Arbeitnehmer*innenvertretungen und Mangel an wirksamen Beschwerdekanälen. Andere kommen mehrfach oder vereinzelt
vor, wie z.B. Misshandlungen, keine Schutzausrüstung, schlechte Lebensbedingungen in den Unterkünften und fehlende Sozialversicherung.
Warum machen wir Kinderspielzeug zum Thema?
Drei Viertel des in Deutschland verkauften Spielzeugs kommt aus dem Ausland. Die Hälfte dieser Importe stammt aus China (Wert ca. 2 Milliarden Euro). Wenn im Juli die Hochsaison für die Weihnachtsproduktion beginnt, beginnt auch das Elend: Trotz der vielen Überstunden reichen die Löhne nicht zum Leben, Arbeitsunfälle häufen sich infolge der Hektik und viele Chemikalien belasten die Gesundheit. 1993 brannten zwei Spielzeugfabriken mit zusammen 270 Toten.
Seit 1996 beschäftigt sich die Werkstatt Ökonomie (s.o.) mit dem Thema, und 1999 gründete das bischöfliche Hilfswerk MISEREOR die Aktion „fair spielt“. Ziel war es, dass deutsche Spielzeugfirmen und der Handel für die Einhaltung grundlegender Arbeitsstandards bei ihren Lieferanten sorgen, aber auch, die Käufer*innen in Deutschland aufzurütteln. Es gab eine „Handreichung für Eltern & Verwandte, Kita-Teams & -Träger“. Die knappen Tipps lauteten: Weniger ist (oft) mehr – Infos einholen - Auf Label achten – Riechtest machen - Billigprodukte meiden - Spielzeug wiederverwenden.
Die genannte Aktion endete 2012, was aber nicht heißt, dass ab 2013 paradiesische Zustände in der Spielzeugbranche herrschten – die Recherchen von 2019 decken es auf.
Immerhin: Von Kinderarbeit ist nicht mehr die Rede!
Tipps und Informationen für nachdenklich gewordene Konsument*innen gibt es mehrere:
www.ci-romero.de/spielzeug_nbft

www.facebook.com/NuernbergerBuendnisFairToys

www.solidar.ch/defair-toys-heft

www.weed-online/publikationen/spielzeug
www.chinalaborwatch.org

Lesenswert auf jeden Fall der „Toys Report 2019“ und das „Dossier CSR Unternehmensverantwortung in der deutschen Spielzeugindustrie“, beide von der Christlichen Initiative Romer e.V. Münster.

H.E.


135 Jahre, 60 Jahre

1885 wurde Afrika (oder ein großer Teil davon) bei der berühmt/berüchtigten „Berliner Konferenz“ auf europäische Mächte aufgeteilt (die Karikatur, wie Fürst Bismarck mit dem Messer in der Hand den „Kuchen Afrika“ den gierig wartenden Staatsmännern zuteilt, ist unvergessen).
Etwa 60 Jahre ist es her, dass 17 afrikanische Länder (von damals 52) unabhängig wurden, darunter so bekannte wie Kamerun, Kenia, Burkina Faso, Demokratische Republik Kongo, Madagaskar und andere, mit denen wir als Lieferländer oder aufgrund persönlicher Kontakte Beziehungen haben. 60 Jahre Unabhängigkeit – für die Zeitschrift Publik Forum („kritisch – christlich – unabhängig“) Anlass einen ausgewiesenen Afrikakenner (selbst aus der DR Kongo stammend), Dr. Boniface Mabanza, um ein Interview zu bitten.
Nebenbei: Dr. Mabanza, Literaturwissenschaftler, Theologe und Philosoph, ist auch in Flein kein Unbekannter!
Er referierte am 18.01.2012 im Alten Rathaus zum Thema „Ausverkauf in Afrika“ in perfektem Deutsch über die ganzen Probleme vom sogen. Landgrabbing über die Gier nach Bodenschätzen bis hin zur Spekulation mit Rostoffen (auch Kaffee und Kakao).
Man erinnert sich gern an seine Sachkenntnis, seine blendende Rhetorik und an seinen Humor: „Ich werde Präsident im Kongo!“
Nun, er ist (immer noch nicht) Präsident im Kongo, sondern (immer noch) Koordinator für Handelspolitik bei der „Kirchlichen Arbeitsstelle südl. Afrika“ in Heidelberg.
Was also sagt Mabanza auf die Fragen der Interviewerin von Publik-Forum?
(Nr. 9 v. 15.05.)
Kurzes Fazit: Der Wirtschaftsimperialismus besteht weiter. „Freihandelsabkommen sind ein Beleg für das ungleiche Machtverhältnis zwischen Europa und Afrika. Die Wirtschaftsabkommen von heute produzieren die Flüchtlinge von morgen“.
Das ganze Interview unter www.publik-forum.de („Das koloniale Erbe“).
Im Zusammenhang mit „60 Jahre Unabhängigkeit“ erinnern wir, um es nicht vergessen zu machen, auch an den ungelösten Konflikt zwischen Marokko und der im algerischen Exil lebenden Volksgruppe der Sahrauis, von deren Schicksal wir (damals noch der Ökumenische Arbeitskreis 3. Welt) am 18.11.2001 unter dem Motto „Wüstes Leben – bittersüß“ berichteten.
In der nächsten Ausgabe setzen wir die Reihe „Nicht nur Kaffee und Tee“ mit dem Thema Spielzeug aus China fort.

Weltladen teilweise geöffnet!

Unsere vorübergehenden Öffnungszeiten sind:
donnerstags und freitags von 9 bis 13 Uhr und 14.30 bis 18 Uhr sowie samstags von 9 bis 13 Uhr.

H.E.

Heute nochmals: Orangensaft                          -                      

Die Frage war: Gibt es Kinderarbeit auf den Plantagen in Brasilien oder nicht?
Erfreulich einstimmige Nachrichten von MISEREOR und CIR (Christliche Initiative Romero): Auf den Großplantagen werden keine Kinder und Jugendlichen beschäftigt. Wenn trotzdem Minderjährige auf Plantagen gesehen werden, arbeiten diese in kleinbäuerlichen Familienbetrieben. So positiv dieser Zustand gegenüber der Zeit vor Jahrzehnten ist, so beklagenswert sind die Verhältnisse noch für die Erwachsenen, meist junge Wanderarbeiter (lesen Sie unseren Bericht in der vorletzten Ausgabe unter Vereinsnachrichten).
Die Nichtregierungsorganisationen und Hilfswerke sprechen von „Sklavenarbeit“ und „Schuldknechtschaft“ (Letzteres deshalb, weil die oft von sehr weit anfahrenden Pflücker schon das Fahrgeld leihen müssen, dazu kommen die Kosten für die Unterkunft, Schutzkleidung, Verpflegung und anders, und diese Kosten müssen abgearbeitet werden). Am besten sind die Verhältnisse dort, wo Gewerkschaften zugelassen sind. Alle Beteiligten empfehlen deshalb, zertifizierten Orangensaft zu kaufen (z.B. von TransFair oder Rainforest Alliance).
Die Weltläden beziehen ihren Orangensaft „Merida“ von der GEPA, deren Projektpartner COOPEALNOR, eine kleinbäuerliche Genossenschaft in Brasilien, die nach internationalen Fair-Handelskriterien unabhängig zertifiziert ist.
Bleibt die Frage nach der (umweltbesten) Verpackung! Der Merida-Saft wurde bis 2007 in Mehrwegflaschen angeboten. Die Nachfrage wurde trotz bester Qualität für den Abfüller zu gering, sodass auf den Tetrapack umgestellt wurde. Ja, manchmal hat es der/die Verbraucher*in selbst in der Hand

H. E. 

Zwischendurch was anderes:
Gibt es nicht schon genügend Gesetze?

Nein – es fehlt noch eines: Das sog. „Lieferkettengesetz“!
Das Gesetz, das Unternehmen zur Achtung von Menschenrechten und Umweltstandards verpflichtet.
So einfach das klingt, so schwierig (inzwischen wissen wir: unmöglich) ist es, das Gesetz durchzusetzen.
Vielleicht gehören Sie auch zu den Menschen, welche die „Petition für ein Lieferkettengesetz“ unterzeichnet haben?
Die Petition nutzte genauso wenig wie 20 Jahre enttäuschendes Warten auf den Erfolg der Freiwilligkeit und der volle Einsatz einer vereinten Zivilgesellschaft (ein Bündnis aus 18 Träger- und 67 Unterstützerorganisationen, Kirchen und Gewerkschaften, darunter so bekannte Namen wie Brot für die Welt, MISERIOR, ver.di, Die Sternsinger, BUND und viele andere). Selbst der Hinweis auf den Propheten Jeremias, den manche bemühten (schauen Sie selbst nach unter 22,3) hat es nicht vermocht, ausbeuterische Arbeitsbedingungen in Textilfabriken, Kinderarbeit auf Plantagen oder die Zerstörung von Lebensgrundlagen im Rohstoff-Anbau in einen gesetzlichen Rahmen zu zwingen.
Ende 2019 noch voller Hoffnung, berichtet jetzt die ökumenische Zeitschrift Publik-Forum (Nr. 6/2020 Seite 11) vom schwergewichtigen „Njet“ aus Berlin.
Vertane Chance.

H.E.


Mitgliederversammlung, Mittwoch, 29.04.2020

Liebe Mitglieder,

die geplante Mitgliederversammlung am Mittwoch, 29. April 2020 im Alten Rathaus, Flein, findet nicht statt. Wir werden Sie rechtzeitig über einen neuen Termin und gegebenenfalls neuen Veranstaltungsort informieren.

Bleiben Sie gesund!


Fortsetzung Kaffee .... 3

Gold
Gold rangiert sozusagen „außer Konkurrenz“. Der Gipfel der Begehrlichkeit von der Antike über die Raubzüge nach 1492 in Mittel- und Südamerika bis zum sog. „Blutgold“ (z.B. im Osten der Demokratischen Republik Kongo) zur Finanzierung von Bürgerkriegen. Tausende von Zeitungsberichten zu diesem Thema sind in den letzten Jahren darübergeschrieben worden.
Auch in Handys, Smartphones, Computern usw. steckt Gold (neben anderen wertvollen Rohstoffen). Dem Appell verschiedener Organisationen, z.B. missio, Altgeräte nicht wegzuwerfen, sondern fürs Recycling zu spenden, kann man sich nur anschließen. Im Weltladen steht dafür eine Sammelbox.

Kakao

Können Sie sich vorstellen, dass ein Kakobauer in Kamerun, Ghana, der Elfenbeinküste (Côte d’Ivoire) oder in Kolumbien und Bolivien noch nie eine Tafel Schokolade gegessen hat? Er kann sie sich einfach nicht leisten….

Weltweit bauen mehr als 5 Millionen Familien, meist auf kleinen Plantagen, Kakao an. Der größte Teil von ihnen lebt in Armut, weshalb im Kakao-Anbau die Kinderarbeit weit verbreitet ist (allein in Ghana und Côte d’Ivoire sollen es 250.000 Kinder sein, die deshalb nicht zur Schule gehen können).
Schwankende und dann stark sinkende Weltmarktpriese haben den kleinen Kakaobauern das Leben noch schwerer gemacht als es schon vorher war.
Auch hier hilft der Faire Handel – aber: Die Nachfrage ist (noch) zu gering. Als vor einiger Zeit der Geschäftsführer der Siegelorganisation TransFair, Dieter Overath, mit dem Vorwurf konfrontiert wurde, selbst Fairtrade-Produzenten von Kakao verfügten nicht über ein existenzsicherndes Einkommen, konnte er diesen am Beispiel Côte d’Ivoire leicht entkräften, weil dort die Kooperativen nicht einmal 5 Prozent ihrer Produktion zu den Bedingungen von TransFair verkaufen konnten. Inzwischen liegt der Anteil deutlich höher. Daher gilt: Mehr Fairtrade-Schokolade genießen, was ja auch Entwicklungsminister Müller empfiehlt.

Kautschuk

Matratzen, Schuhe, Schnuller, Autoreifen – was wird nicht alles aus Kautschuk hergestellt! Mehr als 50 000 verschiedene Produkte brauchen als Grundstoff den Saft des Kautschukbaumes, Latex genannt, ursprünglich nur in Amazonien, heute überwiegend (90 %) in Südostasien wachsend.
Interessant ist, dass etwa 85 ‚% des weltweit produzierten Kautschuks aus kleinbäuerlichem Anbau kommen. Aber die idyllische Vorstellung vom saftzapfenden Ureinwohner im Urwald täuscht. Die zahlenmäßig wenigen, aber mächtigen Konzerne sorgen für Monokulturen. Dies bedeutet Entwaldung, hohen Chemieeinsatz, sogar illegale Vertreibungen, schlechte Arbeitsbedingungen und Verlust der Artenvielfalt.
Ein Hoffnungsschimmer: Es ist eine Globale Plattform mit der Industrie, dem WWF, Global Nature Fund und der deutschen Nichtregierungsorganisation SÜDWIND im Aufbau mit dem Ziel, Kautschuk nachhaltig zu produzieren. Die Weltläden führen bereits ein kleines Sortiment von Produkten aus nachhaltig produziertem und fair gehandeltem Kautschuk. (Forts. folgt)
H.E.

Nicht nur Tee und Kaffee (Forts.)

Kaffee

Kaffee ist  d a s   “Dritte-Welt“-Produkt schlechthin – mit Kaffee, könnte man sagen, fing alles an. Anfang der 1970er-Jahre importierte die niederländische „SOS. Wereldhandel“ den ersten fair gehandelten Kaffee von der Cooperative FEDECOCAGUA in Guatemala, der auch in Deutschland unter dem griffigen Namen Indio-Kaffee nahezu reißenden Absatz fand. Verbunden - ? - mit war damit die schonungslose Aufklärung über die Armut der kleinen Kaffeebauern, vor allem in Lateinamerika, und die Ungerechtigkeiten im weltweiten Kaffeehandel.
Das „Schaurig finstere Märchen vom Kaffeekönig und dem Campesino Petro“ machte vor allem in kirchlichen Kreisen die Runde und öffnete Vielen die Augen, das Herz – und den Geldbeutel (denn der alternative Kaffee war teurer als im Supermarkt).
Und heute, 50 Jahre später? Fair gehandelter Kaffee hat seinen kleinen, aber feinen Platz erobert. Die Kundinnen und Kunden haben die Auswahl: Mexico, Guatemala, Nicaragua, Costa Rica und Kolumbien in Lateinamerika, sowie Ghana, Tansania, Kamerun oder Äthiopien in Afrika liefern beste Arabica-Hochland-Qualitäten, meist Bio-zertifiziert, gemahlen, ganze Bohne, entkoffeiniert oder Espresso, mild oder kräftig – ganz nach Wunsch.
Das Märchen endet „Und wenn er nicht gestorben sind, dann schuftet er noch heute“. Petro ist gestorben (er wäre inzwischen über hundert), aber viele seiner Kollegen in vielen Kaffeeländern, weiblich und männlich einschl. ihrer Familien, haben es besser als er – die 5 Jahrzehnte „Fairer Kaffee“ haben sich gelohnt.

Natursteine aus Indien

„Bist du verheiratet?“ fragte ein indischer 15-jähriger Steinbrucharbeiter einen etwa gleichaltrigen Deutschen, der mit einer Schülergruppe die Kinderarbeit in Indien kennenlernen wollte. Nein, so der Gefragte, er werde studieren, Karriere machen und mit 30 eine Familie gründen. Ungläubiges Staunen des Inders „Aber mit 30 sterben wir ja schon!“ Er kennt sein Schicksal: Staublunge. – Es ist merkwürdig still geworden um die „Steinbruchkinder‘“. Was hat sich geändert, vielleicht verbessert? Wollten wir von Benjamin Pütter wissen, seit er 2012 in Flein war. Fazit des halbstündigen Telefongesprächs von heute: Nichts! Seit er von mächtigen Steinbruchpächtern Morddrohungen erhalten hat, war er nicht mehr dort. Er arbeitet seitdem für „Die Sternsinger“, die sich des Themas Kinderarbeit angenommen haben und verweist im Übrigen auf sein Buch „Kleine Hände – großer Profit (Heyne-Verlag), das nur juristisch unangreifbare Tatsachen enthalte.
H.E.

Nicht nur Tee und Kaffee!

Die Liste der vom ungerechten Welthandel, von Ausbeutung, Sklaverei, Kinderarbeit, Umweltzerstörung, ja sogar Bürgerkriegen verbundenen Produkte, ist lang – zwischen A wie Aluminium und Z wie Zucker ist viel Problematisches einzuordnen:

Aluminium

 Beim Abbau von Bauxit und bei der Aluminiumverhüttung sind entlang der Produktionskette enorme soziale, ökologische und wirtschaftliche Interessen betroffen. Die Aluminiumproduktion ist energieintensiv. Riesige Staudämme sind nötig, um Strom zu erzeugen, und der Regenwald wird wegen des Bedarfs an Holzkohle abgeholzt.
Der Weltgebetstag 2018 lieferte uns am Beispiel des Afobaca-Damms in Surinam viele Informationen.

Bananen

 Über 85 Länder sind an der Bananenproduktion beteiligt, und mehrere Millionen Menschen leben vom Bananenhandel. Aber: In manchen Produktionsländern bezahlen die Menschen den Exporterfolg mit Landvertreibung und Umweltzerstörung.
Die deutsche Nichtregierungsorganisation BanaFair begann deshalb anfangs der 1990er Jahre die sog. „Bananenkampagne“.
Inzwischen gibt es Bio-Bananen und Früchte mit dem Fairtrade-Siegel in vielen Geschäften, was aber nicht heißt, dass man das „Bananenproblem“ vergessen könnte. Noch am 9.5.2015 wurde die Banane als Problemprodukt beim Fairen Frühstück auf dem Platz vor dem Rathaus zum wiederholten Male thematisiert.

Baumwolle (s. auch Bekleidung)

Baumwolle wird auf riesigen Flächen z.B. in den USA, in China, Usbekistan, Indien und Pakistan angebaut. Viele weitere Länder sind mit kleineren Anteilen am weltweiten Baumwollanbau beteiligt, für die die Baumwolle zum Teil große wirtschaftliche Bedeutung hat.
Die weit überwiegend in Monokulturen produzierte Faser verursacht durch hohen Wasser-, Dünger- und Insektizidbedarf erhebliche Umweltschäden, z.B. an den Böden, und gesundheitliche Schäden bei den Bauern und Erntehelfern, ganz abgesehen von der schlechten Entlohnung. Aber auch die nächsten Schritte in der Verarbeitung (Entkörnen, Spinnen, Stricken und Weben, Veredeln und Färben, Konfektionieren und Verpacken) haben ihre sozialen (schlechte Bezahlung, Kinderarbeit) und ökologischen (weite Transportwege) Tücken und Macken – dazu käme noch das Problem der Altkleiderentsorgung.
Warten wir auf unter ethischen Bedingungen hergestellte Kl… (nicht Klamotten, sondern Kleidung) aus Bio-Baumwolle, möglichst zertifiziert.

Bekleidung (Mode, Berufskleidung, Sportbekleidung).

 Eines der größten Probleme in diesem Sektor überhaupt! Es beginnt schon bei der Baumwolle – etwa 4 bis 5 % oder weltweiten Ackerflächen werden für den Baumwollanbau benötigt. Die Bedingungen in der weiteren Produktionskette sind erschreckend, aber nicht neu. Schon 1901 wird ein französischer Textilfabrikant wie folgt zitiert: „Ich beschäftige nur Mädchen von 16 bis 18 Jahren an der Nähmaschine. Werden sie erst 20, so sind sie reif fürs Hospiz…“
Nicht erst durch den Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch am 24. April 2013 mit etwa 1.200 Toten ist das Thema der schlechten Arbeitsbedingungen und miserablen Bezahlung in aller Welt präsent. Bis jetzt ohne großen Erfolg, aber die „Kampagne für saubere Kleidung (Campaign Clean Clothes CCC) leistet seit den 1990er-Jahren Vorarbeit, und unser Entwicklungsminister Müller hat vor kurzer Zeit den (freiwilligen) „Grünen Knopf“ auf den Markt gebracht.  

Aktionen und Angebote finden Sie auf unserer Homepage: www.weltladen-flein -talheim.de und unter: www.flein-gemeinsam.de - Rubrik: Shoppingmöglichkeiten von Fleiner Geschäften.

Nicht nur Greta

jettet mit dem Segelschiff von Kontinent zu Kontinent, sondern auch Kaffee aus Nicaragua. Er heißt sinnigerweise „Ahoi“, ist selbstverständlich fair gehandelt und verbessert den (firmen-)eigenen CO ²-Fußabdruck.
Das 100 Jahre alte Segelschiff namens „Avontuur“ (niederländisch für Abenteuer) ist ein symbolischer Versuch des Fairhandels-Importeurs El Puente in Nordstemmen bei Hildesheim, auf die Umweltverschmutzung im globalen Transportsektor hinzuweisen. Aber es ist auch der Versuch, den Segelfrachttransport wiederzubeleben – mit modernen Schiffen natürlich. El Puente gehört zu unseren Hauptlieferanten (www.el-puente.de) und feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen (weshalb sich die Mitglieder der GmbH selbstbewusst „Die Fairtrade Pioniere“ nennen). Wenn die nachhaltige Transportvariante gelingt, hat sich El Puente den Namen „Pioniere“ doppelt verdient.
Die erste Kaffee-Lieferung ist bei El Puente angekommen, aber gleich ausverkauft gewesen.

Filzen und Filz      

ist eine zweischneidige Sache: Wird jemand gefilzt, weil man verbotene Sachen bei ihm oder ihr vermutet, dann kann er oder sie schon kalte Füße bekommen. Auch mit der Filzokratie ist nicht zu spaßen.
Ganz anders ist es mit dem Filz, der seit Urzeiten aus Wolle gewalkt und geformt wird und die Bewohner kalter Gegenden von Kopf bis Fuß gegen die Unbilden des Wetters schützt.
Wie Filz in Nepal bis heute von Hand hergestellt wird, was man daraus alles machen kann, und wie gut es den Arbeiter/innen bei der Firma

HATALE in Kathmandu geht, lesen Sie im Magazin WELTLADEN 3/2019, das bei uns im Laden für Interessierte kostenlos ausliegt. Bedienen Sie sich!

H.E.

In Chile

brennt’s wie in Spanien, Bolivien, Hongkong, Indonesien, im Iran, in Algerien und anderswo.
Der angekündigte Bericht über die aktuellen Verhältnisse in Chile aus der Sicht von Schwester Karoline Mayer lässt auf sich warten. Lassen wir vorerst einen Deutschen zu Wort kommen, der seit 18 Jahren in Valparaíso lebt und arbeitet. Der 55-jährige Techniker im Telefon-Interview mit Publik-Forum: „Seit 4 Wochen (inzwischen sind es 6) brennt es hier in Chile überall. Die Unruhen haben das ganze Land erfasst, es gibt kaum eine Stadt, die nicht betroffen wäre. Es ist ein Hexenkessel. Die Nerven liegen blank, alle sind extrem verunsichert und niemand weiß, wann das alles aufhört.“
Der Interviewte sieht die Ursachen für die Demonstrationen in der Wut über die krasse soziale Ungerechtigkeit, sie fordern mehr Teilhabe, menschenwürdige Renten, höhere Löhne, eine garantierte Bildung und Gesundheitsversorgung.
Der Mann (mit chilenischer Frau und Tochter) will nicht zurück nach Deutschland, er will bei den Menschen bleiben, denen er – gerade jetzt – so verbunden ist.
Wir hoffen, dass der Bericht von Karoline Mayer doch noch eintrifft und zeigen vorerst ein Foto von ihr (mit einem gewinnenden Lachen) im „antiken“ Rahmen im Weltladen.

Aus Chile

haben wir so gut wie nichts im Programm – es ist kein typisches „Entwicklungsland“. Aus den Nachbarländern Peru und Bolivien aber schon, auch aus Kolumbien, Ecuador und aus mehreren Ländern Mittelamerikas genauso wie aus vielen Staaten Afrikas und Asiens. Überall sind Kleinbauern und kleine Handwerksgenossenschaften froh, ihre Produkte über den Fairen Handel – nach strengen Kriterien des Weltladen-Dachverbandes – in Europa verkaufen zu können und damit ihr einfaches Leben zu verbessern. Neben den typischen „Kolonialwaren“ wie Kaffee, Tee, Kakao, Gewürzen usw. haben sie inzwischen auch eine Riesenauswahl an Kunstgewerbe und Gebrauchsartikeln im Sortiment – und dass auch anderswo in der Welt Weihnachten gefeiert wird, ist gerade jetzt in einem Weltladen nicht zu übersehen. Da drängst sich ja der schöne Reim geradezu auf:
               Ein weiteres Mal will ich dran denken:
               Es gibt so viel Schönes zu fairschenken
               - mit Dreifachwirkung fast garantiert -
               (es wurde mehrmals ausprobiert):
               Dem Beschenkten macht’s Freude, ich bin im Glück,
               und aus Übersee kommt ein „Danke!“ zurück.

H.E.



Weltgebetstag 2020 Simbabwe - Nachlese

Ökumenischer Gottesdienst am Freitag, 06.03.2020 im evang. Gemeindehaus, Kellergasse 25

Werden überhaupt Gottesdienstbesucher*innen kommen? War die bange Frage bei uns im Team. Jetzt wo der Corona Virus im Anmarsch ist?

Ja, sie kamen! Unsere 5 vorbereiteten 10er Tische waren gut besetzt, was uns sehr freute. 

Der Weltgebetstags Gottesdienst war wieder eine runde Sache. Die Liturgie kam diesmal von Frauen aus Simbabwe. Der Gottesdienst gestaltete sich kurzweilig, nicht zuletzt wegen der großartigen, musikalischen und gesanglichen Begleitung. Von den Besucherinnen wurde er als informativ und anrührend empfunden, dies schlug sich auch in der Kollekte nieder. Sie ergab 539,- € für Frauen- und Kinderprojekte in Simbabwe.  

Bei Tee und Vanillekuchen, einem Originalrezept aus Simbabwe klang der Abend gemütlich aus. Die originelle und schöne Dekoration fand ebenfalls Anklang!

Herzlichen Dank an die Bäckerinnen, Sprecherinnen, Bastlerinnen, Sängerinnen, Trommlerin, Klavierspielerin, Hausmeisterin und Mesnerin. Sie haben dazu beigetragen, dass dieser Abend so gut angekommen ist.

Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr, wo es wieder heißt: Informiert beten und betend handeln. Übrigens, ich weiß nicht, ob Sie es schon wussten: Der Weltgebetstag ist die größte ökumenische Basisbewegung von Frauen und wird in über 120 Ländern in ökumenischen Gottesdiensten begangen.

Das Weltgebetstagsland 2021 ist der Inselstaat im Südpazifik Vanuatu. Vanuatu?

Dagmar Hauth


Die Notlage im Benediktinerinnen-Kloster Babété in Kamerun

hat sich leider nicht entspannt, wie wir durch unsere regelmäßigen Kontakte von Schwester Odette erfahren.

Nicht nur, dass dort die Zahl der Schutzsuchenden stetig anwächst. Ihre Versorgung mit Lebensmitteln wird noch dadurch erschwert, dass die Regierung den Anbau von Mais verboten hat, damit „Terroristen“ sich in den Pflanzungen nicht verstecken können. So musste im Kloster eben eine Ladung des Getreides unreif verteilt werden. Und jetzt kam noch die dringende Bitte aus dem angrenzenden Katastrophengebiet, einhundert Kinder aufzunehmen, um ihnen den Schulbesuch zu ermöglichen, denn seit drei Jahren sind alle Schulen in den westlichen, anglophonen Regionen geschlossen. Wie sollen sich die frankophonen Ordensfrauen entscheiden? Sie müssten u.a. Räumlichkeiten, Lehr- und Lernmaterial und englischsprachige Lehrkräfte bereitstellen. Mit dem Anbau neuer Klassenzimmer an die Klosterschule haben sie erstmal begonnen…
Das sind nur zwei von vielen, vielen Problemen, die in dem Kloster täglich bewältigt werden. Und der Weltladen Flein-Talheim unterstützt die Nonnen dabei seit langem, dank der großen Spendenbereitschaft unserer Kund*innen und Gönner. Es gibt noch viel zu tun.
Wer helfen will – wir planen unsere nächste Geldüberweisung ohne jeden Abzug Mitte Oktober 2019 – kann das Spendenkonto unseres Weltladenvereins nutzen: IBAN 39 6206 2643 0044 9410 13. Kennwort: Kloster Babété. Spendenquittung nur bei Angabe der Absenderanschrift.

J.H.

Sein Manuskript

wird er wohl aktualisieren müssen, wenn er am 15. November nach Flein kommt – der Amazonasexperte Dr. Rainer Putz vom Regenwaldinstitut in Freiburg.
Was hat sich nicht alles ereignet, seit er anfangs des Jahres in Brasilien war: Die katastrophalen Waldbrände sind täglich in den Medien, und ihre Ausmaße sind niederschmetternd! 80.000 (!) Brände in Brasilien, davon mehr als die Hälfte im Amazonasgebiet, der „Grünen Lunge“ der Erde. Jetzt macht der Staatspräsident auch die indigenen Völker (davon gibt es etwa 390) für die Brände mitverantwortlich (Deutschlandfunk 28. 08. 19).
Dazu wird Dr. Putz viel sagen können, sind seine Projektpartner doch die Ureinwohner (ihre Produkte werden über den „Regenwaldladen“ vermarktet).

Der Grüne Knopf

wird die Bedingungen in den Zulieferfabriken (der Textilindustrie) verbessern, da ist unser Entwicklungsminister optimistisch.
Das neue (staatliche) Siegel soll garantieren, dass die Waren eine „höhere ökologische und soziale Qualität“ haben. „Selbst wenn man den Lohn einer Näherin verdreifacht, müsste das nicht zu höheren Preisen führen“, wird Müller in der taz zitiert.
Immer noch wenig genug, wenn man bedenkt, dass der Stundenlohn einer Näherin zum Beispiel in Äthiopien (umgerechnet) 18 Cent beträgt, und dass die Lohnkosten einer Jeans gerademal 1% ausmachen.
Wen betrifft’s? Etwa 60 Mio. Textilarbeiterinnen und –arbeiter weltweit, die oft unter ausbeuterischen Bedingungen in der Mode-, Sport- und Arbeitskleidungsindustrie beschäftigt sind – so beschäftigt, dass fast die Hälfte von ihnen arbeitsbedingte Krankheiten haben!
Die Fairen Wochen (13. bis 27. September) machen den Skandal heuer zum Hauptthema. www.faire-woche.de.

H.E.

Wer weiß denn sowas?

Antwort C war richtig: Der Amazonas-Regenwald lebt (auch) von Afrika!

Wenn in der Westsahara Sandstürme losbrechen und einige Tage später die Autowaschanlagen im Süden Deutschlands Hochbetrieb haben, war es wieder einmal soweit – der scharfe Sand wetzt die Felsen und Steine in der Wüste ab, der mineralische Staub wird hochgewirbelt und vom Passat über tausende Kilometer in das Gebiet nördlich der Alpen getragen, also auch zu uns.

Nur zu uns?

Der weit, weit größte Teil gelangt bis nach Lateinamerika und wird vom täglichen Starkregen in den Tropenwald geschwemmt. Und er braucht es dringend, denn die hauchdünne Humusschicht ist nährstoffarm! Die Weißwasserzuflüsse aus den Anden reichen nicht aus, um die riesige Biomasse des Amazonasregenwaldes zu „ernähren“.

Ein Vorgeschmack auf das, was uns am Freitag, den 15. November 2019 hier in Flein erwartet.

Ist der Referent kompetent?

Aber ja, Dr. Rainer Putz, Diplombiologe, ist einer der neun Wissenschaftler verschiedener Disziplinen, die 1998 in Freiburg das „Institut für angewandten Regenwaldschutz e.V.“ gründeten, wobei die Bereiche Agrartechnologie, Biologie, Informatik und Medizin vertreten waren.

Die damalige Motivation – Mitverantwortung der Industrieländer für die tropischen Regenwälder und deren Bevölkerung – gilt heute im Zeichen des Klimawandels erst recht.

Das Regenwaldinstitut hat sich deshalb die Aufgabe gestellt, mithilfe von Wissenschaft und Forschung einen nachhaltigen Schutz der Regenwälder zu fördern.

Der eingetragene, gemeinnützige Verein betreibt außerdem den „Rgenwaldladen“, der Erzeugnisse aus dem Regenwald anbietet, vor allem Körperpflegeprodukte, so z.B. jetzt ganz neu (wohl nach einigen Anfangsschwierigkeiten) das „Regenwald-Deo“ – ohne Aluminium, Mikroplastik, Nanopartikel, ohne Parfum und Konservierungsstoffe und natürlich ohne Palmöl. Wir werden es testen.

Dies passt ganz in die Erkenntnis des schon in einem früheren Beitrag zitierten Wissenschaftlers Prof. Dr. J. Reichholf: „Die Sauberkeit der Indios im Regenwald hat schon die frühesten Forschungsreisenden beeindruckt!“

H.E.


Auch das ist Indien

Die Frau, der die Missionszeitschrift ‚kontinente‘ eine ganze Seite widmet, ist weder Mutter Theresa noch eine sich im Reichtum ihres Mannes sonnende Maharani oder bewunderte Bollywood-Schönheit – es ist einfach die glückliche Tagelöhnerin Remathi, 38, Mutter zweier fast erwachsener Söhne (von einem Mann ist nicht die Rede, vielleicht ist er gestorben), Besitzerin eines strohgedeckten Häuschens und einiger Hühner.

Sie lebt in einem Dorf im Bundesstaat Orissa, hat nette Nachbarn, sauberes Trinkwasser und einen guten Chef. Sie arbeitet dort, wo ihre Firma sie hinschickt, verdient so viel (oder so wenig) wie die Männer, betet samstags und sonntags zur Göttin Durgha und hofft, später einmal in den Himmel zu kommen.

Ihr größter Wunsch? Nein, kein Sechser im Lotto, sondern dass ihre Söhne – wenn auch ohne Studium – bald heiraten und sich ein eigenes Leben aufbauen können.

Wenn man sieht, wie sich Remathi mit strahlendem Gesicht der Fotografin präsentiert, glaubt man der glücklichen Tagelöhnerin.

Ist sie nur eine von 1,2 Milliarden?

Indien ist ja sonst nicht das Land, aus dem von paradiesischen Zuständen berichtet wird – Armut, Unterentwicklung, Kinderarbeit und Ausbeutung prägen das Bild.

Missionare, viele private Projekte und Partnerschaften des Fairen Handels arbeiten engagiert daran, die Situation für einfache Menschen wie Ramathi zu verbessern.

„Viel Erfolg!“ kann man da nur wünschen.

Sommerzeit – Urlaubszeit!

In der Zeit von Donnerstag, 1. August bis Samstag, 31. August haben wir folgende Öffnungszeiten:

Montag bis Samstag von  9 Uhr bis 12 Uhr

Montag bis Freitag von  15 Uhr  bis 18 Uhr

H.E.


Kollekte für Kamerun

Die ehemalige (bis 1919) deutsche Kolonie Kamerun in Zentralafrika erlebt seit drei Jahren einen schweren politischen Konflikt, der erst in den letzten Monaten so langsam bekannter wird. Großen Anteil an der Öffentlichkeitsarbeit hat die Basler Mission Deutscher Zweig.

Von dem Bürgerkrieg zwischen der frankophon dominierten Regierung Kameruns und dem anglophonen Landesteil ist auch schwer betroffen das Kloster St. Benoit in Babété bei Mbouda, zu dem der Weltladen seit langem gute Beziehungen pflegt. Das Problem des Klosters, dessen Schwestern sich vor dem Konflikt hauptsächlich Waisenkindern widmen konnten, ist, dass es nun von vor dem Terror beider Bürgerkriegsparteien fliehenden Menschen regelrecht überrannt wird. Diese suchen Schutz, Hilfe, Verpflegung und Unterkunft – und finden das alles auch im Kloster. Die Schwestern sind aber dadurch in großer finanzieller Not – woher das Geld nehmen für die Versorgung so vieler Menschen?

Dieser Notfall hat die Evangelische und die Katholische Kirchengemeinde veranlasst, die Kollekte des ökumenischen Gottesdienstes beim Fleiner Weinfest dem Kloster Babété als Beitrag in diesen schweren Zeiten zur Verfügung zu stellen.

Der Weltladen bedankt sich im Namen der Schwestern herzlich für diese großzügige Geste der Nächstenliebe.

H.E.




Bönnigheim ist nicht Rothenburg,

 

auch nicht Heidelberg oder Neuschwanstein – trotzdem lohnt es sich hinzufahren (was aber japanische Reisegruppen auf Germany-Tour nicht wissen), um sich vom „Scherba-Kurtle“ alias Kurt Sartorius (dessen Vorfahren bis 1687 schlicht Schneider hießen) durch die erste „Viersektorenstadt Deutschlands“ (Gemmingen, Mainz bzw. Liebenstein, Sachsenheim und Neipperg) führen zu lassen, die Ganerbenstadt, wo 1498 Barbara Schmotzerin das letzte von 53 Kindern gebar und trotzdem kinderlos starb, wo bis vor kurzem in einer Straße noch 21 Wirtschaften waren, wo man 1984 der Wissenschaft den alten Brauch des Nachgeburtvergrabens beweisen konnte und was derart Superlative mehr sind …
Kurt Sartorius („Scherba-Kurtle“ wegen seiner Leidenschaft für Bodenfunde) führte die Ausflügler entlang des roten Strichs zu allerhand alten Gemäuern mit historischer Bedeutung (einschließlich seines eigenen Geburtshauses!), war bestens gelaunt und wußte sein Stadthistorikerwissen, gewürzt mit wahren (oder erfundenen) Anekdoten wort- und dialektgewandt bei seinem Publikum anzubringen. Nicht gefasst war wohl auch er auf die Überraschung des Rundgangs: Offener (Doppel)keller im stilvoll restaurierten Bauernhaus von 1815 der jungen Familie Esch mit selbstgebackenen Flachswickeln und Sekt der Strombergkellerei - hier hätte man gern länger verweilt! Ein Glanzlicht auch die Stadtkirche – St. Cyriakus geweiht, einem jungen Märtyrer, einer der 14 Nothelfer und unter Diokletian im Jahre 304 hingerichtet und dort vor allem der Lettner (einer der wenigen noch erhaltenen) und der große gotische Flügelaltar.
Von der Kirche direkt ins Schnapsmuseum – geht das? Das Bindeglied steht direkt hinter der Predella: Ein Schnapsfläschchen, wie es um 1500 Mode war…
Das Schnapsmuseum, offensichtlich Lieblingskind des vifen Begleiters, zeigt alles, was erlaubt und verboten ist – und (ver)führt zwangsweise in den Keller zur Probe. Die Indikationen der hochprozentigen Medizin sind umfassend, wie der Herr mit dem Gelehrtennamen überzeugend zu vermitteln wusste (allerdings: Einige sog. „Herrenwitze“ weniger, zumal in Gegenwart von Damen, hätten´s auch getan!)
(Bönnigheim wäre übrigens noch schöner, wenn es auch dort einen Weltladen gäbe… - aber was nicht ist, kann ja noch werden).
Ein Wort zum Wetter: Statt der vorhergesagten Schwüle gab´s Sonne und ein erfrischendes Lüftchen, und als Beweis für die Wirksamkeit der Wetterglocke von 1369 war die vom Michaelsberg her drohende schwarze Wolkenwand plötzlich verschwunden, unbemerkt, vom Chronisten aber dankbar notiert.
Der Weltladenausflug – ein weiterer gelungener Beleg für die Richtigkeit der rhetorischen Frage „Warum in die Ferne schweifen?“
Der Vorrat an „nahe liegendem Guten“ reicht wohl auch für die nächsten Jahre.
H.E.


Vollmundig

 

„Baden-Württemberg ist das Land der Nachhaltigkeit“, behauptet das Umweltministerium im Ländle und vertraut dabei offensichtlich auch auf die Kunden und Kundinnen, die sich im Weltladen ein kostenloses Tütchen mit Wildblumensamen abholen.

Nun, einen Versuch ist es ja wert – es blüht ganz schön bunt, wie ein Selbstversuch der Vereinsvorsitzenden Dagmar Hauth beweist (Fotos im Schaufenster).

Vom 1. bis 4. Juni waren die landesweiten „Nachhaltigkeitstage“ – nachhaltig sollte aber jeder Tag des Jahres sein. Was mit Nachhaltigkeit gemeint ist, versteht man ein wenig besser, wenn man den Förster fragt: Nur so viel Holz entnehmen, wie nachwächst.

Was bekommen Sie im Weltladen vom Ministerium geschenkt?

Das „lustige Mal-, Spaß und Geschichtenheft“ für Kinder. Großformat. Zum Ausmalen und mit (sehr kindlichen) farbigen Einzelabbildungen von Blüten, Schmetterlingen, Hummeln, Käfern usw.

 

Samentütchen mit Wildblumenmischungen (Aussaat bis Juli), Kapuzinerkresse (für die Aussaat schon ein bisschen zu spät) und Cherrytomaten (für nächstes Jahr).

Nicht ganz umsonst ist das „Genuss-Kochbüchlein“ mit Rezepten und Tipps zum restlos nachhaltigen Genießen und CO 2 –Sparen mit 99 Seiten, 32 heimischen und 6 internationalen Gerichten, jeweils mit Vorschlägen für die Resteküche. Handlich und sehr appetitanregend!

Würde sollte kein Konjunktiv sein

 

annonciert Brot für die Welt originell im neuen Dossier von MISEREOR und Brot für die Welt in Zusammenarbeit mit der Redaktion von WELT-SICHTEN. Das Heft (6/19) widmet sich ganz dem Thema Wirtschaft und Menschenrechte und ergänzt die in der o.g. Anzeige genannten Beispielsländer Kolumbien, Tschad und Kongo um Pakistan, Bangladesh und Brasilien (wobei auch diese wiederum nur Beispielsländer sind). www.brot-fuer-die-welt/wuerde; www.misereor.de; www.welt-sichten.org.

Kinder haben Rechte – weltweit!

 

Jedes Kind hat ein Recht auf einen Namen, auf Ernährung und Gesundheit, auf Bildung, auf Spiel und Freizeit, auf Schutz vor Gewalt und Ausbeutung, auf ein sicheres Zuhause und bei Behinderung auf eine besondere Förderung.

Literatur zum Thema für Kinder und Erwachsene in der Fleiner Ortsbücherei, dankenswerterweise aufgelistet in den Fleiner Nachrichten vom 05. 06. 19 ab Seite 16.

H.E./ 07.06.19
  

SÜDWIND

 

Der Name ist Programm: „Seit fast 30 Jahren engagiert sich SÜDWIND für die wirtschaftliche, soziale und ökologische Gerechtigkeit weltweit“ schreibt das Institut für Ökonomie und Ökumene in seiner Selbstdarstellung.

Woher der Wind weht, weiß sofort, wer z.B. den jetzt erschienen Jahresbericht 2018 durchblättert – mit Süden sind ja nicht die sonnenverwöhnten Urlaubsregionen in Italien oder Spanien gemeint, sondern Staaten, die manchmal auch noch als  Entwicklungsländer bezeichnet und oft nur als  Lieferanten wohlfeiler Rohstoffe oder billiger Kleidung wahrgenommen werden.  

„Anhand von konkreten Beispielen zu Missständen decken wir ungerechte Strukturen auf, machen sie öffentlich und bieten Handlungsalternativen“, lassen uns die Mitarbeiter*Innen des Instituts wissen. Wissensvermittler und Tippgeber also auch für Weltläden – unter anderem waren 2018 die relevanten Themen:

Baumwolle

 

Armutslöhne, überlange Arbeitszeiten und fehlende Arbeitsverträge prägen die Baumwollproduktion, auch Kinderarbeit in der Produktion von Baumwollsaatgut.

Kakao

 

Ein großer Teil der Bäuerinnen und Bauern lebt in Armut – die niedrigen Einkommen sind die Hauptursache weit verbreiteter Kinderarbeit.

Kautschuk

 

Monokulturen, Entwaldung, Verlust der Artenvielfalt, erhebliche Menschenrechtsverletzungen, illegale Vertreibungen und schlechte Arbeitsbedingungen .

Schuh- und Lederprodukte

 

In großem Umfang Verstöße gegen grundlegende Arbeits- und Menschenrechte, Kinder- und Zwangsarbeit.  

Das angesichts des Internets, der internationalen Handelsbeziehungen und der Flugurlaube in alle Welt gebrauchte Bild von der Welt als Dorf holt der 7-köpfige Vorstand des gemeinnützigen Vereins auf den Boden der Wirklichkeit zurück:

„Von einem Welt-Dorf sind wir noch weit entfernt, wenn wir an die Missachtung grundlegender Menschenrechte in vielen Teilen des Erdballs denken. Dank gnadenlos niedriger Löhne, fehlender Einhaltung von Arbeitsrechten und -sicherheit werden in Asien, Afrika und Lateinamerika oftmals Gewinne erwirtschaftet, die die Schere zwischen Reich und Arm weiter öffnen“.

Für Interessenten: www.suedwind-institut.de

H.E.


 Bär und Behrendt,

die beiden bekannten Kämpfer für Bürgerrechte (Bär z.B. präsent im „Antiken Rahmen“ im Weltladen), werden wieder gebraucht: Die philippinische Regierung plant allen Ernstes, das Strafmündigkeitsalter von 15 auf 12 Jahre herab zu setzen. Das heißt, dass künftig 12-jährige Kinder legal ins Gefängnis kommen – wie seither schon ohne gesetzliche Grundlage und für Bagatellen. Was mit den Eingesperrten passiert, mag man sich gar nicht ausdenken.

Der irische Dickschädel, Pater Shay Cullen, seit Jahrzehnten bekannt für seine Kinderschutzprojekte in Manila, will dies verhindern und Mitte Mai eine Petition im Senat einreichen. Er bittet auch um unsere und Ihre Unterschrift.

Bitte unterschreiben Sie im Weltladen, wo eine Liste noch bis 3. Mai ausliegt. Näheres auch unter www.mangos-fuer-kinderrechte.de  Kein Gefängnis für Kinder – Nein zur Herabsetzung der Strafmündigkeit auf 12 Jahre!

Der Amazonas- Regenwald,

im November Thema einer Veranstaltung im Alten Rathaus, liefert nicht nur Probleme, sondern auch Produkte.

Dr. Rainer Putz, Geschäftsführer des Regenwaldladens in Freiburg, seit über 30 Jahren Amazonaskenner und Referent des Vortragsabends, kündigt eine Neuigkeit an: Das Regenwalddeo in der Pumpsprayflasche. „Das Deo ist bereits in der ausgiebigen Testphase und begeistert uns mit seiner Wirksamkeit. 100% naturrein, ohne Alu, Palmöl, Mikroplastik, Nanopartikel und Parfüm“ schreibt Putz. Auch wir sind gespannt.

Urban im heutigen Sinne

ist ein Modewort und hat nicht viel mit dem Weinheiligen St. Urban („der Städter, der Gebildete“, 3. Jh., Fest 25. Mai) zu tun.

Den „Urban Style“ (verwirklicht in Leder, Textil und Schmuck) kann man wohl nicht nur in der Stadt tragen. Einer der ältesten Fair-Importeure, El Puente (die Brücke), ist wieder einmal Vorreiter – bis zur nächsten Mode …

H.E.

„Tragödie im Westen Kameruns“

 Hier das angekündigte Interview mit unserem Mitarbeiterehepaar Christa und Jens Herbst zum Thema Kamerun.

Frage: Christa und Jens, ihr seid viel- und weitgereiste Leute. Was reizt euch an Afrika und besonders an Kamerun, das ja auch einmal deutsche Kolonie war?

Antwort: Wir haben vor allem die Menschlichkeit, Spontaneität und Fröhlichkeit der Menschen – trotz schwieriger Lebensbedingungen, eine große Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft erfahren und schätzen gelernt.

Ist von der „deutschen Vergangenheit“, die bis 1916 ging, noch etwas zu spüren?

Ja, an vielen Orten trifft man noch auf technische, bauliche Einrichtungen, wie z.B. die einzige Eisenbahntrasse, Gebäude und Brücken. Man wird als Deutscher zu diesen Stätten geführt. Und unsere Gastgeber sind stolz darauf; die kolonialen Gräueltaten sind vergessen.

Ihr habt in Kamerun im Kloster Babété ein festes Ziel – nicht nur eine Unterkunft, sondern ein Stück Heimat. Was hält euch in letzter Zeit davon ab, weiter nach Kamerun zu fliegen?

In den letzten zwei Jahren hat sich die innenpolitische Situation in den englischsprachigen Regionen so drastisch verschlechtert, dass uns unsere kamerunischen Freunde aus Sicherheitsgründen dringend von einer Reise abraten. Auch das deutsche Auswärtige Amt hat eine Reisewarnung veröffentlicht: „Gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und separatistischen Gruppierungen mit Toten und Verletzten dauern in beiden Regionen an“.  

Also der Bürgerkrieg, dem ja ein Aufstand der sich unterdrückt fühlenden anglophonen Bevölkerung zugrunde liegt. Steht dieser Teil – etwa 20% der Gesamtbevölkerung – nicht mehr unter dem Schutz von Großbritannien?

Nein, Kamerun ist seit 1960 formal unabhängig. Wir bedauern aber sehr, dass die ehemalige Kolonialmacht Frankreich, die mit Kamerun heute noch wirtschaftlich eng verflochten ist, nicht mäßigend eingreift.

Kamerun – offiziell République de Cameroun – exportiert u.a. Kakao, Kaffee, Baumwolle, Kautschuk, Erdöl und Erdgas – eigentlich kein armes Land – oder?

Ein reiches Land! Aber ein Großteil der Gewinne fließt nach Frankreich, wo die Investoren sitzen. Reiche einheimische Eliten bedienen sich aus den Naturschätzen, z.B. durch illegalen Verkauf von Tropenholz. Außerdem ist Korruption weit verbreitet. Trotzdem: Es gibt praktisch keinen Hunger. Es leiden im Norden des Landes jedoch die in der Landwirtschaft tätigen Ethnien, z.B. der Haussa, und die nomadisierenden Viehzüchter, z.B. die Fulbe, unter dem Klimawandel, weil der Regen ausbleibt. Der ganz an der Nordspitze Kameruns gelegene Tschadsee ist bereits auf ein Drittel seiner ursprünglichen Größe geschrumpft.

Das Waisenhaus und aus aktuellem Anlass auch das Kloster in Babété wird vom Weltladen Flein und privaten Spendern finanziell unterstützt. Glaubt ihr, dass dieses Geld gut angelegt ist, auch nachhaltig?

Auf jeden Fall! Die Schwestern unter ihrer Leiterin Odette legen großen Wert darauf, dass die Waisenkinder bei ihnen eine gute Schulausbildung bekommen, der sich oft eine handwerkliche Ausbildung anschließt, z.B. in der Tierzucht, als Gärtner oder Bäcker. Da es sich bei den Kindern meist um „Sozialwaisen“ handelt, bietet das Kloster für sie auch ein „Ersatzfamilienleben“. Und bei der Flüchtlingsnothilfe hoffen wir, dass sie nicht auf Dauer erforderlich ist.

Nochmals zu den derzeitigen politischen Verhältnissen: Dem seit 36 Jahren regierenden 86-jährigenPräsidenten und seiner Familie wird ein Leben in Luxus vorgeworfen, wie die Zeitschrift Welt-sichten“ in der neuesten Ausgabe berichtet. Das könnte man hinnehmen, wenn der Bürgerkrieg nicht wäre, zu dessen Ende die Basler Mission mit einer Petition, überschrieben mit „Frieden durch Gerechtigkeit in Kamerun“ aufruft. Kann man diesen Aufruf nach eurer Kenntnis des Landes unterschreiben?

Unabhängig vom Bürgerkrieg klagen wir das korrupte Luxusleben des Präsidenten von Kamerun an, weil der Bevölkerung die öffentlichen Reichtümer gestohlen werden. Aber zur Petition: Sie analysiert die politische Situation in Kamerun ausgewogen und richtet sich an einflussreiche Verantwortliche in unserem Land. Wir werben sehr für möglichst viele Unterschriften, um dem Ruf nach kurzfristiger Beendigung der Tragödie im Westen Kameruns großes Gewicht zu verschaffen. Die Petition liegt zur Unterschrift im Weltladen aus oder ist online verfügbar unter https://brennpunktkamerun.org/?p=1068.

Ihr werdet am Montag, 29. April ab etwa 20 Uhr im Alten Rathaus in Flein mit Bildern

über eure Kamerunerfahrungen berichten. Was hat der Zuhörer / die Zuhörerin (außer den köstlichen Proben der unvergleichlich leckeren Ananasschnitten) zu erwarten?

Viele Informationen unter dem Titel „So haben wir Kamerun kennen gelernt – und das ist

der Zustand heute“. Das wird leider nicht so „köstlich“.

Was heißt „Willkommen!“ in der Verkehrssprache der Bevölkerung Kameruns?

Auf Pidgin sagt man „I salome oh“.

Also dann: „I salome oh“ am 29. April im Alten Rathaus in Flein!

 H.E.


So viele schlechte Nachrichten

aus der „Dritten“ Welt: Hunger, Ausbeutung, Bürgerkriege, Korruption, Menschenrechtsverletzungen, Kinderarbeit, Missernten, Überschwemmungen … Gegen diese Trostlosigkeit hilft vielleicht, den Bildkalender von COMUNDO nochmals anzusehen, bevor er im Altpapier verschwindet. COMUNDO, eine Hilfsorganisation in der Schweiz, betreut vor allem Projekte für benachteiligte Kinder in Afrika und Lateinamerika.

Es gibt noch erheiternde und Mut machende Nachrichten von der südlichen Halbkugel, zum Beispiel das Foto vom Karnevalsumzug in Bogota, wo Posaunen, Saxophone und Trommeln gegen die Schrecknisse des (jetzt vielleicht beendeten) Bürgerkriegs ankämpfen. Ebenfalls aus Kolumbien die drei etwa 6-Jährigen, die mit blitzenden Augen und Zähnen und dem Victoryzeichen in die Kamera lachen. Überhaupt ist COMUNDO in Kolumbien stark vertreten: Im Armutsviertel von Tumaco zu leben, ist bestimmt kein Zuckerschlecken, aber Cindy und Maris Isabel geht es offensichtlich gut im Jugendzentrum, betreut von Ulrike Purrer. Sie lernen sich selbst und anderen zu vertrauen – man sieht es ihnen an, genauso wie den drei kleinen Malerinnen, die mit Pinsel und Acrylfarben ihre Vorstellungen von einer glücklichen Zukunft aufs Papier bringen.

Auch in Bolivien gibt es lachende Kinder, wie das Foto vom Tischfußball zeigt – bunt und fröhlich wie die Landestrachten. Oder ein anderes aus der Hauptstadt, auf dem die große Schwester dem kleinen Bruder zeigt, wie man auf dem Hauptplatz richtig Tauben füttert (im Hintergrund kolonialbarocke Prachtbauten im schönsten Gelb und Weiß).

Auch auf den Philippinen gibt es dank COMUNDO glückliche Kinder, die sich in voller Kleidung (!) im grünklaren des Pazifiks tummeln. COMUNDO unterstützt hier benachteiligte Gemeinschaften bei der Verbesserung ihrer Lebensgrundlagen.

Afrika steht ebenfalls auf der Agenda des Hilfswerks: Zwei Schönheiten im Parterinnenlook posieren selbstbewusst auf dem reich bestückten Wochenmarkt von Kabwe/Sambia, und auf dem Gelände der Vorschule des AIDS-Hospizes ebenfalls in Kabwe herrscht unbeschwertes Treiben mit alten Autoreifen, an dem auch die Betreuerin Regina Hesse ihre helle Freude hat.

Das musste auch mal gesagt werden.

Die BUGA

wirft ihre Schatten voraus – bis hin zu den Weltläden.

Im sog. „Weltgarten“ (das trifft sich doch gut) werden neben den Umweltverbänden auch einige Weltläden mit Informationen präsent sein, erhofft man sich doch mit (erwarteten) 2 Millionen Besuchern deutlich mehr Interessierte, als Flein, Heilbronn, Weinsberg, Neckarsulm und Wimpfen (das sind die teilnehmenden Weltläden) zusammen Einwohner haben.

Da muss man wohl auf viele Fragen gefasst sein.

H.E.


„Charta“

ist ein anspruchsvoller Begriff: Man kennt die Charta der Vereinten Nationen, die englische Magna Charta von 1215, die Atlantik-Charta von 1974 oder auch das „Charta“ genannte Manifest der CSR-Bürger beim Kampf um Menschenrechte.

Seit 25. September 2018 hat auch der Internationale Faire Handel eine Charta. Sie erklärt, wie „die Globale Bewegung des Fairen Handels an einer Veränderung des Handels arbeitet, um Fairness, Gleichberechtigung und Nachhaltigkeit für Mensch und Umwelt zu erreichen“.

Die Charta hat sich 3 Ziele gesetzt

1.     Sie unterstützt die Organisationen des Fairen Handels dabei, das Bewusstsein der Verbraucher*innen und Bürger*innen für die Bedeutung und die Wirkungen des Fairen Handels zu stärken, so dass mehr Menschen zur Mitwirkung und Unterstützung motiviert werden.

2.     Sie fördert die Zusammenarbeit unter Fair-Handels-Organisatoren, indem sie ihre jeweiligen Missionen und Strategien mit der gemeinsamen Philosophie der Bewegung verbindet. Zudem fördert sie die Zusammenarbeit mit der Solidarwirtschaft, die Biobewegung und anderen Bewegungen mit ähnlichen Zielen wie denen des Fairen Handels.

3.     Sie hilft anderen Menschen (in Regierungen, der Wissenschaft oder im Privatsektor), die mit Fair-Handels-Organisationen zusammenarbeiten, die Werte und Ansätze anzuerkennen, die die weltweite Bewegung einen.

Die komplette Fassung in dem bebilderten 30-seitigen Heft „Die Internationale Charta des Fairen Handels“ ist zu bestellen bei Transfair e.V., Remigiusstr. 21, 50937 Köln-Sülz (www.fairtrade-deutschland.de; info@fairtrade-deutschland.de) oder bei Forum Fairer Handel e.V., Chausseestr. 128, 10115 Berlin (www.forum-fairer-handel.de; info@forum-fairer-handel.de).

In Deutschland wird die Charta von 29 renommierten Organisationen unterstützt, darunter Brot für die Welt, Misereor, Welthungerhilfe, Friedrich-Ebert-Stiftung, Die Sternsinger – um nur die bekanntesten zu nennen.

Mehr unter www.fair-trade.website

H.E.

Der Regenwald

so belehrt uns das Lexikon, sei „ein immergrüner Naturwald ganzjährig feuchter Gebiete, der in tropischen, subtropischen und sogar gemäßigten Regionen wie z.B. in Süd-Chile und Südwest-Kanada vorkommt“.

Wer hat Angst vorm Regenwald?

Lauern da nicht Tiger und Jaguare, giftige Schlangen und Spinnen, Myriaden von Blutsaugern, versteckte Wasserlöcher, alles erwürgende Schlingpflanzen und die Curarepfeile der Ureinwohner?

Nun, man muss ja nicht gerade dort Urlaub machen. In die Tiefen des Regenwaldes einzudringen bleibt Forschern, Abenteurern, Menschenrechtlern, Missionaren und – großen Konzernen vorbehalten. Das Geschäft mit dem Tropenholz lockt, und wo lassen sich einfacher und schneller riesige Flächen niederbrennen, um Platz zu schaffen für Soja, Palmölplantagen oder Rinderweiden – legal oder illegal.

Ein Großteil des Regenwaldes in Brasilien, Zentralafrika und Südostasien ist bereits gerodet, Klima hin oder her.

Der Regenwald wird uns in diesem Jahr noch öfter beschäftigen.

H.E.

Trommeln ist in,

was man aber am Freitagabend im Rathaus hörte, war ein Trommelfeuer der Lebensfreude: vier Trommler und zwei Tänzerinnen brachten die Besucher des Burundi-Abends ordentlich in Schwung und Laune, bevor der Referent Philipp Ziser, von der Steuerungsgruppe eingeladen, seinen als Reisebericht angekündigten Vortrag begann – immerhin war der Mann acht Jahre lang, von 2006 bis 2014, für den gemeinnützigen Verein Burundi-Kids e.V. in dem kleinen Land des Kontinents Afrika tätig.

Burundi ist grün, es wächst alles und das Klischeebild „Löwenrudel im Schatten eines dürren Baumes der Grassteppe bei Sonnenuntergang“ wurde bestimmt nicht in Burundi aufgenommen.
Wer das Land –und das Nachbarland Ruanda- nur mit der Massenschlägerei bzw. –schlächterei 1993/94 in Verbindung bringt, wird durch die Ausstellung des Partnerlandes Baden-Württembergs (Burundi war in alter Zeit auch einmal deutsch) und die Ausführungen des Referenten eines Besseren belehrt. Es geht aufwärts, wenn auch die Lebensverhältnisse Vieler als Folge des bis 2004 dauernden Bürgerkrieges noch von Not und Hunger geprägt sind.
Der Verein hat sich zur Aufgabe gemacht, vor allem den Kindern Schutz und Schulbildung zu geben. Mehr unter
www.burundikids.org.
Zum Abschluss noch einmal Trommeln und Tanzen mit Grazie und zirkusreifen Luftsprüngen – grandios! 100 Beifall klatschende Hände mehr wären durchaus angemessen gewesen. Die Ausstellung geht noch bis Samstag, 09.02.19.

Von 10 bis 12 Uhr Burundi-Film und Burundi-Kaffeeprobe.


Produktinfo, einmal ganz launig

 

„Mit 70 ° heißem Wasser übergießen und zwei Minuten ziehen lassen“ – Sie ahnen es schon: Es handelt sich um grünen Tee. „Mit kochendem Wasser übergießen und mindestens 10 Minuten ziehen lassen“ – Richtig: Kräutertee.

Ein Thema mit Variationen.

Die Legende erzählt, der Kaiser von China sei – es ist etwa 3000 Jahre her – einmal auf Reisen gewesen. Er ließ sich in einer Sänfte tragen, obwohl das Rad schon erfunden war. Als die Träger nicht mehr konnten, rastete man im Schatten eines Gebüschs. Der Hofmarschall machte ein Feuerchen und kochte Wasser ab, das der Kaiser so gerne trank. Jetzt wurden aber von der Hitze einige Blätter des Busches welk und fielen in das Kochgeschirr. Der erschrockene Lakai hatte keine Zeit, frisches Wasser aufzusetzen, da der Kaiser sofort trinken wollte, als er aus dem Mittagsschlaf erwacht war. Die Blätter wurden deshalb nur schnell unbemerkt herausgefischt und seiner Majestät ein Becher des Getränks gereicht. Aber – oh Wunder! – der große Gebieter war nicht nur gelabt, er lobte den Trank in den höchsten Tönen. Er hatte nämlich – was aber damals noch niemand wusste – Tee getrunken. Den wollte er jetzt jeden Tag haben, und wenn er ihn nicht bekomme, koste das den Hofmarschall Kopf und Kragen. Weder das eine noch das andere wollte der so Bedrohte natürlich riskieren und stopfte sich beim Weitermarsch die Hosentaschen voll mit den Wunderblättern. An diesem intimen Ort gerieten die Blätter in Gärung (in heutiger Sprache „Fermentation“) und waren so für den nächsten Aufguss vorbereitet.

Aber wie das so ist mit schönen Legenden, sie stimmen eben meist nur halb: Nach China kam der Tee erst im Jahre 369 n.Chr. und zwar aus dem Gebiet Assam in Indien. Dort gibt es ihn heute noch.

Besonders die Ostfriesen schätzen ihn sehr und beweisen damit, dass der Ostfriesentee nicht an der Nordsee wächst.

Kleines Rätsel zum Schluss: Wie schreibt man T-Shirt? Antwort: Man kann es zur Abwechslung auch mal Tea-Shirt schreiben.
H.E.

Wenn der Druckfehlerteufel seine Hand im Spiel hat, dann gleich richtig!

 

Das Quinoa-Rezept, das wir empfahlen (und weiterhin empfehlen), enthält gleich drei Fehler:

  1. Nicht der Verstand der Indios (der vielleicht auch) wurde durchs Quinoaessen    gestärkt, sondern der Widerstand (gegen die Eindringlinge).
  2. Für das Rezept werden nicht 500 Gramm Quinoa gebraucht sondern nur die    Hälfte, also 250 Gramm (ein halbes Pfundpäckchen).
  3. Auch das Wort „verkochen“ ist falsch, es muss „vorkochen“ heißen, vollständig    also „das Quinoa nicht vorkochen.“
    Jetzt stimmt es aber! Wir bitten um Entschuldigung und nochmals Guten Appetit!

 


Eine unscheinbare Pappschachtel
genügt, um veraltete, aus der Mode gekommene oder defekte Handys zu sammeln. Handys, Smartphones und Genossen. Die Schachtel steht im Weltladen, und wenn sie voll ist, wird sie an ein seriöses Recyclingunternehmer weitergeschickt.
Warum der Aufwand?
Man weiß es und kann trotzdem nicht auf den heute unverzichtbaren Begleiter verzichten.
Aber „das Ding“ enthält Sprengstoff – nicht im wörtlichen Sinne, bewahre! Aber z.B. Gold und Colombit-Tantalit, besser bekannt als Coltan. Rund ein Viertel der Weltproduktion an Coltan wird im Kongo gefördert. Dort gibt es seit einigen Jahren einen regelrechten „Coltanrausch“, der inzwischen 50.000 Schürfer in die Berge von Rubaya lockte. Die ehemaligen Bauern graben jetzt nicht mehr um, damit Kartoffeln oder Mais in den Boden kommen - sie schürfen nach Coltan. Das wäre –abgesehen von der Naturzerstörung- alles ganz harmlos, aber im Ostkongo herrscht Bürgerkrieg. Wenn jetzt im Rathaus (Flein) das kleine Land Burundi vorgestellt wird, fällt einem sofort das Nachbarland Ruanda ein, wo 1994 der Konflikt zwischen Tutsi und Hutu zu einem Völkermord führte, ein Konflikt, der „auch Ostkongos Kriege am Leben hält“, wie die taz-Korrespondentin Simone Schlindwein aus Rubaya berichtet. Eigentümer der Rohstoffe ist eine Firma, die einem reichen Tutsi gehört, der Grund und Boden aber gehört den Hutu. Beide verteidigen ihre Rechte mit Waffengewalt (Details ersparen wir Ihnen).
Darum: Gold, Coltan und andere seltene Erze in den Computern, Handys, Smartphones usw. nicht einfach gedankenlos wegwerfen, sondern wiederverwenden.
Das ist der Sinn und Zweck der Schachtel im Weltladen, der Box anderswo und der Aktion www.missio-hilft.de/goldhandys.
Ebenfalls aus Ostafrika: Ruanda, Uganda und Tanzania wollen jetzt den Import von Altkleidern einschränken, weil dieser der einheimischen Textilindustrie schadet.
H.E. 26./01.19

Unternehmens“verantwortung“

 

Karatschi/Pakistan, 11. 09. 2012

Die Textilfabrik Ali Enterprises brennt, und es sterben 259 Männer und Frauen, davon 160 zwischen 14 und Anfang 20.

Frau Khatoon (52) hat bei dem Unglück (u.a. waren die Notausgänge verschlossen) ihren einzigen Sohn verloren, mit 18 Jahren ihr Beschützer, Helfer (die Mutter ist krank) und Ernährer.

Saeeda Khatoon gehört zu den vier Betroffenen, die vor Gericht einen deutschen Textil-Discounter, Hauptabnehmer von Ali Enterprises, in die Pflicht nehmen wollen. Das Unternehmen hat  - Gewissensbisse? – 5 Millionen Euro in einen Fonds für die Hinterbliebenen eingezahlt. Der Taschenrechner bringt es an den Tag: 5.000.000 geteilt durch 259 = 19.305,02 Euro – so viel ist ein Mensch in Pakistan wert. Und der Prozess? Vor wenigen Tagen erging die Entscheidung: Anspruch verjährt. Kommentar überflüssig.

Staatskaffee

Ja, wird jetzt auch im Ländle Kaffee angebaut? Das könnte man meinen, wenn auf einem 250g-Päckchen des Landeswappen prangt … Nein, es ist viel einfacher: Seit über 30 Jahren pflegen Baden-Württemberg (35.750 qkm) und Burundi im fernen Ostafrika (27.834 qkm) eine Partnerschaft. Also, der Kaffee kommt aus dem Kaffeeland Burundi und der größere Bruder hat ihm sozusagen den „Imprimatur-Stempel“ aufgedrückt.

Mehr über Burundi (wir erinnern uns noch an die Massaker vor 25 Jahren, eine schwere Belastung für die jungen Partnerschaft) in der Ausstellung zu Land, Kultur, Menschen und einer Partnerschaft auf Augenhöhe vom 21. Januar bis 8. Februar im Rathaus Flein, ferner am 1. Februar um 19 Uhr bei einem Reisebericht, burundischer Musik und Kaffeeverkostung, und bei einer Finissage mit Film und Kaffeeverkostung am Samstag, 9. Februar von 10 – 12 Uhr. Veranstaltet von der Steuerungsgruppe der Fairtrade-Gemeinde Flein. Es hängen entsprechende Plakate aus und das Titelblatt der Fleiner Nachrichten weist ebenfalls auf die Veranstaltungen hin.

H.E. 19.01.19

Très chers amis et bienfaiteurs

 - in bewegten Worten bedankt sich Soeur Odette bei ihren lieben Freunden und Wohltätern!

Wie, Sie kennen Schwester Odette nicht? Kein Wunder, leben doch sie und ihre Mitschwestern viele Flugstunden entfernt im afrikanischen Kamerun. Sie (43) ist dort die Vorsteherin des Klosters St. Benoît nahe der Stadt Mbouda im kleinen Dorf Babété.

St. Benoît deutet schon darauf hin: Das Kloster mit Waisenhaus ist dem Ordensgründer der Benediktiner gewidmet, dem Hl. Benedikt von Nursia/Umbrien, wo er im Jahre 480 geboren ist. 40 Jahre später wurde er der erste Abt von Montecassino und prägte die weltbekannte Regel „ora et labora“ - bete und arbeite.

Diesem Motto werden auch die Schwestern von Babété nach allem, was man über sie hört (unser Mitarbeiter-Ehepaar Christa und Jens Herbst waren mehrmals dort und haben bis heute regelmäßigen Kontakt zum Kloster), mehr als gerecht: Nicht nur, dass sie Waisen aufziehen und ausbilden, nein, auch viele Menschen aus dem Bürgerkriegsgebiet (Mbouda liegt nahe der Grenze zum englischsprachigen Teil des Landes) suchen ebenso Unterschlupf im Kloster wie die Armen aus der nächsten Umgebung. Zur Eigenversorgung bewirtschaften die Nonnen gärtnerische und landwirtschaftliche Flächen. Zum Weiterverkauf stellen sie Joghurt her, halten 500 Legehennen zum Eierlegen und produzieren Trockenfrüchte (in Deutschland über die Abtei Münsterschwarzach vertrieben, auch an unseren Laden), das bringt etwas Geld in die Kasse.

Aber was ist eigentlich los in Kamerun? Bald nach der Unabhängigkeit charakterisierte ein großer Weltatlas 1962 das Problem so: „Kamerun ist ein Musterbeispiel dafür, wie aus einem willkürlich begrenzten Kolonialgebiet nun ein selbständiger Staat entstehen soll“ - an die Berliner Afrikakonferenz 1884 sei erinnert.

Der kleine englischsprachige Teil und der deutlich größere französischsprachige Teil waren trotz Volksentscheid von Anfang an latent eine konfliktträchtige Konstruktion. In der Ausgabe vom 23. 11. 18 titelte nun aber das Publik Forum: „Im Westen tobt ein Bürgerkrieg“ und ließ für den Bericht einen evangelischen Pfarrer – selbst unmittelbar Betroffener – telefonisch zu Wort kommen. Aktuelle Infos auch unter http://brennpunktkamerun.org.

Weil sich die meisten Bürger im anglophonen Teil des Landes unterdrückt fühlen (oder es sind?) und mit demokratischen Mitteln erfolglos mehr Rechte forderten, riefen Separatisten dort 2017 symbolisch den Staat Ambazonien aus. Die französisch dominierte Regierung bezeichnet die Separatisten, die sich selbst „Amba-Fighters“ nennen, als Terroristen und bekämpft sie gnadenlos, der Präsident hat ihnen ausdrücklich „den Krieg erklärt“. Die Gewalt eskaliert auf beiden Seiten. Die Regierungstruppen werden beschuldigt, auf der Suche nach Amba-Boys ganze Dörfer niedergebrannt zu haben. Nach UN-Berichten sind 300.000 Kameruner ins Nachbarland Nigeria geflohen. Wer in die andere Richtung flüchtet, hat vielleicht Glück und landet im Kloster St. Benoît – siehe oben. Das sind diejenigen, die Soeur Odette „refugiés de la crise sociopolitique“ nennt, Flüchtlinge der Krise, die das Land seit zwei Jahren erschüttert.

Die Menschen, die unserem Spendenaufruf gefolgt sind, sollen wissen, dass ihr Geld in Babété angekommen ist und dringend gebraucht wird. Vielen Dank!

Für 2019 wünschen uns Schwester Odette und ihr ganzer Konvent „Prospérité, paix, joie, amour et beaucoup de sourire“, also Wohlstand, Frieden, Freude, Liebe und viele schöne Momente!

H.E.

 Jahresrückblick 2018

„Weiter so!“ wünschten wir uns selbst im Jahresrückblick 2017.

Jetzt, ein Jahr später, können wir feststellen: „Steter Tropfen höhlt den Stein“. Der Stein, ein harter Brocken – dieses wohl weltweit geltende Wirtschaftsprinzip, das den eigenen Vorteil als Maxime bevorzugt. Anders der Faire Handel, wo der Abnehmer (in der reichen Welt) den Produzenten (in der armen Welt) als Partner sieht und entsprechend behandelt. Kein Außenseiterdenken mehr, wie immer wieder Äußerungen unseres Entwicklungshilfeministers belegen.

Wir sind dankbar dafür, dass wir unsere Positionen zu den Themen der „3. Welt in den Fleiner Nachrichten darstellen können – und das schon lange, bevor Flein „Fairtrade –Town“ wurde.

Die sehr detaillierten Artikel der Steuerungsgruppe sind in diesem Kontext wertvolle Ergänzungen und Unterstützung.

Der Weltladen wird vom Verein „Weltladen Flein-Talheim e.V.“ getragen, und das durchaus mit Erfolg. Ein fester Stamm von Mitarbeiter/-innen sorgt dafür, dass „der Laden läuft“, die Finanzen stimmen, Warenkunde vermittelt wird, die Vereinsstatuten eingehalten werden und – die Geselligkeit nicht zu kurz kommt.

Der regelmäßige Info-Abend mit Shining Eyes e.V., die Mitgliederversammlung, Vorstandssitzungen, Ladentreffs, Teilnahme am Weltgebetstag (heuer Surinam), Stammtisch und Ausflug (sehr gelungen) seien stellvertretend für viele Aktivitäten genannt. Dass eines unserer Mitarbeiter-Ehepaare wieder zum „Adventsschmökern“ in der Ortsbücherei war und andere Mitarbeiterinnen unseren Laden beim Adventskaffee der Evangelischen Kirchengemeinden in Horkheim und Flein repräsentierten, dass wir die Päckchen für „Weihnachten im Schuhkarton“ entgegengenommen haben und das ganze Jahr über alte Handys fürs ressourcensparende Recycling eingesammelt haben, gehört schon zur Tradition.

Zwei dringende Hilferufe haben uns Ende des Jahres aus Kerala (Indien) und Kamerun (Afrika) erreicht: Der Orden des in Untergruppenbach wohnenden und von dort bis Lauffen a. N. tätigen Pfarrers Pater Augustine (Vinzentiner) will den Ärmsten der Armen im Nachbardorf nach der Jahrhundert-Flutkatastrophe einfache Häuschen errichten, und im französischsprachigen Teil von Kamerun ist es das Kloster Babété, das hunderte Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem englischsprachigen Teil des Landes aufgenommen hat und seine Freunde um Hilfe bitten muss, um die Menschen mit Lebensmitteln und Wasser zu versorgen.

Beiden wurde mit Überzeugung Spenden im Rahmen des dem Verein Möglichen überwiesen, ebenso dem Projekt unserer Ilsfelder Mitarbeiterin in Paraguay.

Wieder sagen wir „Auf ein Neues“ und „Weiter so!“

H.E.

Es brennt überall

-nicht nur in Kalifornien.
Auch Überschwemmungen und Bürgerkriege kosten viele Menschenleben, zerstören die Häuser und die Ernte.
Aus Kerala (Bundesstaat im Südwesten Indiens) und Kamerun (Westafrika) erreichten uns zwei Hilferufe:
Kerala
Das dichtbesiedelte kleine Land mit 600 km langer Küste am Arabischen Meer war seit dem 8. August nach dem größten Monsunregen seit 100 Jahren vollständig überflutet. 500 Menschen wurden tot geborgen (die Dunkelziffer ist höher), tausende Häuser, Brücken, Straßen und Eisenbahnlinien wurden weggeschwemmt oder durch Erdrutsche verschüttet und – die Ernte zerstört. 66 Prozent der Menschen leben von der Landwirtschaft, die Reis, Kautschuk, Bananen, Gewürze, Cashew- und Kokosnüsse, Kakao, Kaffee (seit 1670!), Ananas und vieles andere erzeugt. Die Flut ist zurückgegangen, es wird aufgeräumt und wiederaufgebaut. Die Kongregation der Vinzentiner, zu der Pater Augustine, Pfarrvikar der Großgemeinde St. Franziskus (von Lauffen bis Untergruppenbach) gehört, hat beschlossen, im besonders schwer betroffenen Nachbardorf 30 der allerärmsten Familien –landlose Tagelöhner- ein bescheidenes Häuschen (2 Zimmer, Küche) für einen Neuanfang hinzustellen. Der Weltladen unterstützt dieses soziale Projekt mit 500 Euro.



„Die Größe eines Menschen

liegt in seinem Herzen“ – wer wollte hier der Leitfigur der Gewaltlosigkeit, Wahrheit, spiritueller Tiefe und Engagement gegen Unterdrückung, Mohandas Karamchand Gandhi, genannt „Mahatma“ (vor genau 70 Jahren ermordet), widersprechen?

In den Wochen vor Weihnachten drängen sich geradezu die Gedenktage von Vorbildern der Menschlichkeit – am 4. Oktober Franz von Assisi, der die Menschen und die Schöpfung liebte, am 11. November Martin von Tour (in aller Welt bekannt durch die Mantelteilung), am 19. November Elisabeth von Thüringen, die am landgräflichen Hofe nur aß, was nicht aus Ausbeutung und Ungerechtigkeit stammt, und die mit nur 24 Jahren starb – geschwächt von ihrem Einsatz für die Armen, dann am 6. Dezember Nikolaus von Myra (heute Demre), in etwa 200 Legenden geradezu als Ikone  der Menschlichkeit bekannt geworden, tausende kleine und große Hilfswerke und Projekte wie die Aktion „Mantel teilen“, Menschen in Not, Weihnachten im Schuhkarton und ab 6. Januar die Sternsinger, 2019 unterwegs mit dem Motto „Segen bringen, Segen sein! Wir gehören zusammen – in Peru und weltweit!“ – ganz abgesehen vom menschlichsten Fest überhaupt: Weihnachten.

Auch der Faire Handel bietet eine wundervolle und zugleich bequeme Möglichkeit zu helfen.

In vielen Ländern der sog. „Dritten Welt“ sind Kleinbauern, Handwerker, Plantagen- und Textilarbeiter/innen aufgrund schlechter Böden, fehlender Infrastruktur oder ungerechter gesellschaftlicher Verhältnisse vom lohnenden Marktgeschehen abgeschnitten.

Hier springt der Faire Handel ein, Fair-Importeure als Partner der Benachteiligten. Sie bieten existenzsichernde Preise bzw. Löhne, langfristige Abnahmeverträge, Boni für Bio-Anbau, Beratung und, bei Bedarf, Vorauszahlungen.

Über die Weltläden kommen die Produkte auf den Markt in Europa – bei bestem Gegenwert fürs Geld. Reich bestückt, gerade jetzt vor Weihnachten.

Nebenbei bemerkt: Der Weltladen Flein-Talheim wird für die Betroffenen der „schlimmsten Flut seit 100 Jahren“, die vergessene Katastrophe in Kerala/Südindien, eine größere Summe überweisen.
Der aus Kerala stammende Vinzentinerpater Augustine berichtete in Untergruppenbach und Talheim über den derzeitigen Stand.

Wenn Sie Kerala helfen möchten, können Sie gerne Ihre Spende auf das Konto:
Katholische Kirchengemeinde St. Franziskus KSK Heilbronn
IBAN DE97 6205 0000 0006 8612 29 überweisen!
Verwendungszweck: Spende Jahrhundertflut Kerala/ Indien.

H.E./ 20.11.18

 Brot für die Welt und MISEREOR – Wandkalender

 

Der Klassiker!
Manche kaufen ihn halbdutzendweise zum Verschenken – den attraktiven, querformatigen Wandschmuck mit 12 gar nicht langweiligen Farbfotos aus Ägypten, Äthiopien, Kenia, Sierra Leone, Südsudan, Tanzania, Indien, Indonesien, Thailand, Kolumbien und Peru. Gratis auf den Rückseiten: Informationen zum Bild und zum Land. Begeisternd!     04.11.18D.H /H.E

 Schenke eine Ziege - Wandkalender

 

Weitere Info zum Verein Schenke eine Ziege e.V. hier


„Am besten riechst du,

wenn du nicht riechst!“ lautete ein guter Rat in den 1950er Jahren. Das waren noch Zeiten – aber Zeiten ändern sich. Eine mächtige Industrie hat es erreicht, dass heutzutage nur diejenigen „gut riechen“, die das Riesenangebot von Cremes, Pülverchen und Wässerchen verschwenderisch gebrauchen, vom „body bis zum home“.

Ganz neu ist es allerdings nicht, statt Wasser und Seife sich der Düfte von Blumen und Kräutern in raffinierten Essenzen zu bedienen, so schon in den antiken Kulturen des Orients.

Auch heute wieder wird nicht nur der Chemie vertraut – alte Rezepte der „Kräuterhexen“ werden ausgegraben, im Kleinstlabor des heimischen Küchentischs in Säckchen oder Flaschen abgefüllt und an ein auf Natur setzendes Klientel verkauft.

Wie könnte ein Weltladen diesen Trend ignorieren, zumal, wenn der Anbieter mit Fairness und Nachhaltigkeit punktet?

Wer die Namen LYFESUTRA oder AROMASUTRA liest, weiß sofort: Aha, Indien! Unser neuer Lieferant Shivaraj Katti hat unsere Fragen zu Herkunft, Herstellung, Beachtung von Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Arbeitsbedingungen ausführlich beantwortet. Katti wörtlich: „Die zwei Hauptproduzenten, mit denen wir zusammenarbeiten, sind Mereville und Maroma aus dem südindischen Global- Village Auroville. Sie sind von der WFTO (World Fairtrade Organization) als Guaranteed Member zertifiziert und arbeiten seit Jahrzehnten in der Fairtrade-Industrie. Sie sind den Fairtrade-Prinzipien verpflichtet.“

Die Produkte unter der Bezeichnung „Potpourri“ (Blüten-, Früchte- und Kräutermischungen mit dem zugehörigen Öl) werden nicht am Körper angewendet, sondern verströmen ihre Düfte in der Raumluft. Die feinen Aromen der getrockneten Pflanzen sind, wie Katti  es ausdrückt, "eine„perfekte Kombination aus Feuer, Farbe und Aroma“ – wobei „Feuer“ nicht wörtlich zu nehmen ist – es brennt nichts (wenn’s aber dampfen soll: Räucherstäbchen haben wir auch von LYFESTURA).

Sommerzeit adé – bald beginnen die gemütlich dämmrigen Abende, am besten mit den Düften aus Südindien (s.o). H.E./ 30.10.18


„Kurznachrichten“ oder „KURZNACHRICHTEN“

Hilfe für Kinder in Not

ist das Programm des Hilfswerks terres des hommes (tds). Unter dem Motto „Du bewegst mehr, als du gibst“ ist tds in vielen Ländern der Welt in Langzeitprojekten aktiv, hilft aber auch im Katastrophenfall wie jetzt in Indonesien nach dem Tsunami.

Eine kostenlose Broschüre „Tipps für den fairen Einkauf“ bietet die Organisation unter www.tdh.de an.

Kommt, alles ist bereit So lädt das Weltgebetstags-Komitee schon heute nach Slowenien ein. 2019 liegt der Fokus auf Projekten zu politischer und sozialer Teilhabe. Üben Sie jetzt schon „Dober dan!“ (Guten Tag) und „Dober vecer!“ (Guten Abend).

Verkehrte Welt
Wer in Deutschland nach dem Urlaub sonnengebräunt daherkommt, strotzt nach landläufiger Meinung vor Gesundheit. In Indien zum Beispiel, wo alle braun sind, erregt man mit heller Haut Bewunderung. Dem Thema „Schönheit“ in fremden Ländern widmet die Zeitschrift Welt-Sichten ein ganzes Heft. Bei uns im Laden auf dem runden Tisch.

Faire Handelsverträge
mit Ostafrika fordert eine Petition der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) in der Diözese Rottenburg. Die EU-Kommissarin Cecilia Malmström wird darin gebeten, das Wirtschaftspartnerabkommen mit der Ostafrikanischen Gemeinschaft gemäß deren Wunsch zu stoppen und einen Dialog für faire Handelsbeziehungen zu öffnen (www.kab-drs.de).

Kunst kommt von Können
hört man allenthalben immer noch. Aber nicht jede/r kann zeichnen wie Dürer oder Rembrandt.
Der kenianische Künstler Michael Soi lässt die anatomische Genauigkeit, Perspektive und den traditionellen Schmelz der Farbenlehre außer Acht, wenn er seine visuelle Geschichte über Abhängigkeit und Ausbeutung auf die Leinwand bringt. Der Titel seiner Serie „China loves Africa“ ist dabei gewiss nicht ernst gemeint …

Hilfe? Hilfe!
Norbert Copray bespricht das neue, bei S. Fischer erschienene, Buch ausführlich in Publik-Forum und schließt „die Wege aus der globalen Krise“ mit dem afrikanischen Sprichwort „Was du für mich, aber ohne mich, tust, das tust du gegen mich“.
Ohne die Sicht der Hilfsbedürftigen einzunehmen, ist Hilfe zweifelhaft, meint Publik-Forum. Anspruchsvoll und des Nachdenkens wert.
18.10.18 HE

Die Faire Woche

(eigentlich sind es zwei Wochen) ging am 28. 09. zu Ende (ob erfolgreich, wird sich zeigen), seit vielen Jahren die Gelegenheit für Fairtrade-Gemeinden, Weltläden, Eine-Welt-Gruppen, Vereine, Schulen, Firmen und Gastronomie, das Thema, oder besser die Themen phantasievoll zu präsentieren.

Der überregionalen Tageszeitung (taz) war die Faire Woche immerhin acht (!) Seiten wert. Thematisiert wurden:

  • die Produzenten des Fairen Handels und der Klimawandel
  • das „Superfood“ Quinoa mit seinen Wirkungen und Nebenwirkungen
  • die Wiege des Kakao: Peru
  • der Faire Handel und die Emission
  • der Anteil des fair produzierten Kaffees
  • die negativen Ausführungen des globalen Tourismus
  • die Hamburger Initiative Quijote Kaffee Kollektiv, der Weg neben dem traditionellen Fairen Handel
  • El Puente, einer der ältesten Weltläden Deutschlands (1974)
  • Turbo für den Fairen Handel – eine neue Idee aus Frankfurt
  • Nordrhein-Westfalen verbietet per Gesetz die Aufstellung von Grabsteine, die mit ausbeuterischer Kinderarbeit produziert wurden
  • Naturkosmetik und der Faire HandelInterview mit dem Peruaner Raul Calle Pinto (48), Geschäftsführer des Genossenschaftsverbandes Norandino.

Die 8 taz-Seiten liegen auf dem runden Tisch unseres Weltladens für Sie bereit.
Vermissen Sie Themen? Blumen? Kleidung? Tee? Reis? Orangensaft? Bananen? Fußbälle usw.?
Das heiße Thema Bananen (Fairhandelsanteil in Deutschland 10%) war auch dieses Jahr Schwerpunkt der Fairen Woche (lesen Sie dazu die Fleiner Nachrichten vom 26. September, Seite 7).
Über die anderen Problemprodukte berichten wir immer wieder.
26.09.18/ H.E.

Urlaub ist das schönste Laub…

 "Ach, Urlaub, dem, der dich erfand, sind wir auf ewig dankbar. Nur ist die Zeit zu knapp gespannt, selbst wenn sie noch so lang war“ textete Jupp Mühlbauer, Leo Mandt erfand die schwungvolle Melodie dazu und beide meinen, man sei nach dem Urlaub ein gänzlich Neuer, verbrannt von Sonne, Saus und Braus und lauter Fernwehfeuer.Nun, Fernweh lässt sich auch im Weltladen lindern: Ob Kaffee aus Kolumbien und anderen Kaffeeländern, Kakao aus Bolivien oder Sao Tomé, Tee aus Darjeeling oder Ceylon oder „nur“ aus Österreich oder Nudeln „nur“ aus dem Schwarzwald, Gefilztes aus Nepal, Kunstgewerbe aus mehreren der 51 afrikanischen Länder – der Platz reicht nicht, um alles aufzuzählen.Versäumen sollten Sie nicht, die attraktiven Figürchen aus „verlorenem Guss“ aus Burkina Faso und – neu! – die Original-Ölbilder aus Tanzania mit ihren skurrilen Motiven (oder Fabelwesen, wenn Sie so wollen) in die Hand zu nehmen oder nur anzusehen. Die schwarzen Konturen sind nicht gemalt (das wäre zu einfach), sondern mit einer in Pech getränkten Schnur, also plastisch, aufgesetzt. Nicht jedermanns/jederfraus Geschmack, aber immerhin originell und original. Leider sind die Gemälde nicht gerahmt, aber mit etwas Geschick selbst zu rahmen. (Baumärkte führen oft auch Bilderleisten und halten die Gehrungssäge parat.)Die Weltläden: Immer bunt, immer überraschend und immer – fair gehandelt. 20.09.18/H.E.

Braune oder blaue Bohnen?

Das kleine Kaffeeland Nicaragua, nur ein Drittel so groß wie Deutschland, gelegen zwischen Honduras im Norden und Costa Rica im Süden und eingerahmt vom Pacific im Westen und der Karibik im Osten, war noch nie ein ruhiger Flecken, zumindest nicht nach 1524, als die Spanier es eroberten. Seit 1839 selbständig, von 1912 bis 1932 von den USA besetzt und von 1937 bis 1979 von der Familie Somoza diktatorisch geführt, herrscht in dem Tropenland bis heute kein friedliches Klima – obwohl die sandinistische Revolution (19. 07. 1979) so hoffnungsvoll begann.Zwischen 1984 – Daniel Ortega wird Präsident – und 2006 – Ortega wird wiedergewählt – herrscht Bürgerkrieg.Und heute? Die Zeitungs- und Fernsehberichte der letzten Monate sind nicht ermutigend.Die Christliche Initiative Romero (CIR), eine deutsche Nichtregierungsorganisation, die sich hauptsächlich mit Mittelamerika befasst, berichtet in Abständen auch immer wieder über Nicaragua. 2003 konnte die damalige Nicaragua-Korrespondentin Anne Nibbenhagen in ihrem Reisebericht die „große Politik“ unerwähnt lassen und in Gemütsruhe ein nicaraguanisches Frühstück beschreiben: gallo pinto (Reis mit Bohnen), eine Tortilla und stark gesüßten Kaffee (wussten das die Solidaritätstrinker/innen damals nicht …?) – nicht aber ohne gleichzeitig die Zustände in den sog. Maquilas zu beklagen (Maquilas sind Bekleidungsfabriken, die halbfertige Waren für den Export herstellen. Sie liegen in sog. Freien Produktionszonen und genießen aufgrund eines Freihandelsabkommens großzügige Steuerbefreiungen und geringe Umweltauflagen.) „Die Arbeitsbedingungen und Löhne sind miserabel. Aber die nicaraguanische Wirtschaft hat keine anderen Arbeitsplätze zu bieten“, schrieb die CIR damals.Ein Jahr später widmet die Organisation ein ganzes Heft dem Thema „Nicaragua feiert 25 Jahre sandinistische Revolution“. Elf Jahre später freut man sich darüber, dass die Zahl der unterernährten Menschen von 55 Prozent auf 17 Prozent gefallen ist, aber nur ein weiteres Jahr darauf – 2016 – kann festgestellt werden, dass der Mindestlohn für die in den Maquilas Beschäftigten angehoben und der Sozialstaat sukzessive ausgebaut wurde, dennoch unglaubliche Vorgänge das Bild erschüttern: Auf Forderung des größten koreanischen Textilunternehmens (20 Fabriken in Asien und Lateinamerika) rückte die Bereitschaftspolizei in eine Fabrik in Tipitapa ein und unterdrückte brutal und gewaltsam den Protest der Arbeiter/innen vor den Fabrikgebäuden – sie forderten nur bessere Arbeitsbedingungen, sauberes Trinkwasser, realistische Akkordsätze und die Wiedereinstellung von zwei Entlassenen. Viele Arbeiter/innen wurden verletzt, andere festgenommen und fünf Tage in U-Haft gehalten.Daniel Ortega wurde 2016 wiedergewählt, sitzt fest im Sattel und – erlaubt doch keinen Protest. Wir zitieren die CIR: „Im April dieses Jahres (2018) erlebte Nicaragua nach heftigen Straßenprotesten von Studierenden eine staatliche Repression von unglaublicher Brutalität. Zig Tote und unzählige Verletzte sind die Bilanz – und ein Land, das nicht mehr dasselbe ist wie vorher.“Lassen wir zum Schluss eine „Ikone“ des neuen Nicaragua zu Wort kommen, den inzwischen 93-jährigen Befreiungstheologen Ernesto Cardenal, der seine Botschaft an die deutschen Freunde so formuliert: „Die Welt muss wissen, was in Nicaragua passiert. Das Volk in Nicaragua fordert Freiheit und Demokratie. Es hat in seinem Kampf Unterstützung verdient. Die Opfer von Ortega und Murillo (die Frau Ortegas, d.U.) verdienen Gerechtigkeit.“

H.E.

K(l)eine Kapitalisten

Monopoly ist der Klassiker und wird dann und wann in der Sonntagsumfrage bei den Neun- bis Elfjährigen als liebstes Spiel genannt.
Dem setzt die Christliche Initiative Romero (CIR) das neue Brett- und Kartenspiel „Trade Jack“ entgegen. Bei dem Spiel geht es weniger um Profit als um faire Handelsbeziehungen (zwei bis sechs Teilnehmer ab 10 Jahren). Zu bestellen bei Eva Heineke, heineke@ci-romero.de oder Tel. 0251-67441317.
Kardinäle sind sie nicht,
die Brüder Fernando und Ernesto – sie heißen nur so. Was ist los in Nicaragua? fragt man sich seit einigen Monaten angesichts der Nachrichten im Fernsehen und in der Presse. Fast auf den Tag genau vor 39 Jahren (19. 07. 1979)jagte eine sandinistische Revolution unter Daniel Ortega die Somoza-Diktatur aus dem Amt. Dietmar Schönherr und andere Prominente zogen mit Ernesto Cardinal durchs Land und warben für das neue Nicaragua. Man trank sogar – mit zusammengebissenen Zähnen – den im Land gebrauten Kaffee – aus Solidarität. Heute trinkt man ihn wegen seines Charakters mit Genuss, während die Ereignisse Solidarität eigentlich verhindern.
Wir werden gelegentlich näher darauf eingehen.
Es gibt ihn noch,
den „Freundeskreis Ghosaldanga und Bishnubati e.V.“, für den die Kinderärztin Dr. Monika Golembiewski vor zwanzig Jahren nach Indien ging – auf eine Anfrage von Dr. Martin Kämpchen, der seit mehr als 40 Jahren bei den Santals, den Ureinwohnern lebt. Zusammen mit Santals sucht der Verein „einen Weg zwischen Tradition und Moderne: Bildung, Wissen und Technik sollen einziehen, ohne dass die Kultur zerstört wird“. (www.dorfentwicklung-indien.de).
Für den Bau und den Betrieb des Kinderkrankenhauses „St. Mary“ in Bolpur gründete Frau Dr. Golembiewski den Verein „shing eyes e.V.“, der auch immer wieder in den Fleiner Nachrichten über seine Arbeit berichtet.
H.E.