Aktuelles


Eine Pandemie ist eine Pandemie ist eine…

The same procedure? The same procedure!

Es ist Herbst, und wir sind mittendrin in der 4. Coronawelle. In Deutschland gibt es genügend Impfstoff für alle, aber zu wenig Impfwillige. Im globalen Süden dagegen warten noch immer viele Millionen Menschen auf den rettenden Impfstoff.

Verkehrte Welt?

Die reichen Industrieländer haben großzügige Hilfen versprochen, aber wirklich angekommen ist beschämend wenig. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat im Sommer beim G20-Gipfel (dem Treffen der 20 wichtigsten Industrienationen) versprochen, 70 Millionen Dosen an die Impfstoffinitiative Covax der Weltgesundheitsorganisation WHO zu spenden, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sprach gar von 100 Millionen. Tatsächlich gespendet wurden lediglich 20 Millionen Dosen Impfstoff des Herstellers Astra Zeneca (den viele hierzulande eh nicht wollten).

Und Deutschland steht hier nicht alleine da. Alle reichen Industrienationen haben sich riesige Kontingente an Impfstoff gesichert, die armen Länder werden mit großen Versprechungen und kleinen Kontingenten abgespeist. Laut Statistik sind in Staaten mit hohem Einkommen 73% der Menschen mindestens einmal geimpft, in Staaten mit niedrigem Einkommen 5%.

Tedros Adhanom Ghebreyesus, Chef der WHO, ist enttäuscht: „Wir hören immer neue Entschuldigungen dafür, warum Länder mit niedrigen Einkommen nur 0,4% des weltweit verfügbaren Impfstoffs erhalten haben. Wir rufen weiterhin alle Hersteller von WHO-geprüften Impfstoffen auf, vorrangig Covax zu beliefern und nicht den Profit der Aktionäre in den Mittelpunkt zu stellen.“

Und Elisabeth Massute, politische Referentin bei „Ärzte ohne Grenzen“ fordert ein Ende der Abhängigkeit armer Länder von den wenigen Impfstoffherstellern weltweit, die weitgehend ihre eigenen Interessen (und die ihrer Aktionäre?) verfolgen. „Diese Abhängigkeit können wir nur mit mehr Produktionsstandorten auch in ärmeren Ländern verringern“.

Ein Lichtblick: Im Frühjahr stimmten die USA im Rahmen von Verhandlungen bei der Welthandelsorganisation überraschend einer Patentfreigabe für die Impfstoffe zu. Einige Länder haben daraufhin ihre Meinung geändert. „Aber vor allem die EU bleibt die letzte große Bremserin bei dem Vorhaben.“

Wirtschaftsinteressen dominieren weiterhin die Haltung der großen Konzerne, und die Politik schützt sie. Noch einmal Elisabeth Massute: „Man hängt hier einem veralteten System von Forschung und Entwicklung nach, statt angesichts einer nie dagewesenen globalen Bedrohung neue Wege zu gehen. Es macht aus medizinischer, wirtschaftlicher und moralischer Sicht keinen Sinn, den Impfstoff in dieser Situation so ungleich zu verteilen.“ Und: „Klar ist: Diese Pandemie wird nicht einfach weggehen und die Weltgemeinschaft muss damit umgehen.“

Zum Schluss noch eine aufrüttelnde Prognose des Analyse-Unternehmens Airfinity:

„Geben reichere Staaten ihre ungenutzten Dosen nicht an ärmere Länder, könnte es dort bis Juni 2022 fast eine Million zusätzlicher Coronatote gegeben haben, deren Leben hätte gerettet werden können.“

Übrigens: Deutschland hat im nächsten Jahr die G7-Präsidentschaft inne, und vielleicht gibt die neue Bundesregierung ja die bisherige Blockadehaltung auf?!

Quelle: taz vom 13./14. 11. 2021

Bruni Müllner

Die Faire Woche (2. Teil)

„Zukunft fair gestalten“ heißt das Motto der diesjährigen Fairen Woche (10. Bis 24. September).

Eine schwere Aufgabe, denn:

Weltweit müssen Millionen Menschen unter unwürdigen Bedingungen schuften – Fabrikarbeiter*innen arbeiten unter hohem Druck und ohne existenzsichernde Einkommen, 150 Millionen Kinder werden (unter anderem) auf Kakaoplantagen ausgebeutet und ihrer Kindheit beraubt, und Frauen werden überall auf der Welt auf dem Arbeitsmarkt gegenüber Männern benachteiligt.

Um das oben kurz Zusammengefasste vorstellbar zu machen, ergänzen wir den Kakao um Kaffee, um Orangen, Steinbrüche, die Spielzeug- und Bekleidungsindustrie (auch Sport- und Arbeitskleidung), Fußballproduktion, Goldminen, Bergbau usw. usw.

Besonders intensiv untersucht und dokumentiert ist der Kakao und was man daraus machen kann (Deutschland ist Schokoladenvertilger Nr. 1 in Europa). Das „Kakao-Barometer“ 2020 (cacaobarometer.org) stuft die sozialen und ökologischen Bedingungen als nach wie vor erschreckend ein. Rund eineinhalb Millionen Kinder (zum Teil aus Nachbarländern verschleppt), müssen allein in Ghana und in Côte d’Ivoire auf Plantagen schuften, Bäume fällen, Pestizide versprühen und die Kakaofrüchte mit scharfen Buschmessern ernten.

Das Kakao-Barometer sieht einen direkten Zusammenhang zwischen den Preisen, den internationale Konzerne für Rohkakao zahlen und dem Ausmaß der Kinderarbeit. Die Studie spricht von „katastrophalen Missständen“ in der Kakaoproduktion, was Kinderrechtsorganisationen wie Human Rights Watch, Kindernothilfe, Plan International, UNICEF Deutschland und World Vision Ende 2020 veranlasste, ein „robustes Lieferkettengesetz“ zu fordern. Nun, das Gesetz haben wir seit kurzer Zeit. Ob es für die Ausgebeuteten was bringt, muss sich noch zeigen.

Lea-Maria Löbel, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Deutschland, prägt, nachdem sie auf die Frage „Wie steht es um die Arbeitsbedingungen weltweit?“ die Verhältnisse aus ihrer Sicht schonungslos dargestellt hat, den lesenswerten Satz: „Angesichts dieser Situation müssen wir davon ausgehen, dass es bei vielen Produkten, die wir in Deutschland kaufen, in den Produktionsländern zu Defiziten menschenwürdiger Arbeitsbedingungen kommt“ – nicht aber ohne hinzuzufügen, dass sie von Boykott nichts hält.

(Fortsetzung und Schluss in der nächsten Folge.)

H.E.

Die Faire(n) Woche(n)

Die „Faire Woche“ dauert 14 Tage, und ihre Veranstalter und Unterstützer hoffen, dass es irgendwann in naher Zukunft jährlich 52 Wochen sein werden, die konsumbewusste Verbraucher*innen zur Selbstverständlichkeit geworden sind.

Die „Faire Woche“ findet schon seit 20 Jahren im September statt, dieses Jahr vom 10. Bis 24. 09.

Das Motto Zukunft fair gestalten würde auch gut auf eines der vielen Wahlplakate passen, die uns in diesen Wochen von den Straßenrändern entgegenlächeln – bleibt aber wohl weiterhin das Alleinstellungsmerkmal der Fairhandelsbewegung. Das hindert aber unseren Noch-Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller nicht daran, ein zwei Seiten langes Grußwort zur Fairen Woche zu schreiben und damit seine uneingeschränkte Zustimmung zum Fairen Handel zu dokumentieren.

Gemeinsame Veranstalter und Ideengeber sind der Weltladendachverband, der Verein Transfair (Fairtrade Deutschland) und das Forum Fairer Handel. Umsetzen sollen die Faire Woche in erster Linie die Weltläden, sofern sie personell dazu in der Lage sind.

„Weltweit leiden Millionen Menschen unter prekären Arbeitsverhältnissen, ausbeuterischer Kinderarbeit und moderner Sklaverei – sogar in Europa“, schreiben die Vertreter der drei veranstaltenden Verbände in ihrer Hintergrundbroschüre zur Fairen Woche 2021.

Menschenwürdige Arbeit ist aber in den Augen der ILO (Internationale Arbeitsorganisation) ein entscheidender Faktor für die Bekämpfung der Armut und für eine gerechte Gestaltung der Globalisierung.

Dieser Überzeugung folgt seit nunmehr über 50 Jahren der Faire Handel, indem er mit den Produzenten, überwiegend in der so genannten „3. Welt“, partnerschaftliche Verträge abschließt, deutlich bessere Preise bezahlt, bei Bedarf Vorauskasse leistet und den Bio-Anbau bzw. die nachhaltige Produktion fördert – dafür aber Kinderarbeit ausschließt, demokratische Strukturen und Geschlechtergerechtigkeit verlangt, von der Lieferung bester Ware ganz abgesehen.

„Zukunft fair gestalten“ halt also schon vor fünf Jahrzehnten begonnen – sich aber noch nicht überall herumgesprochen. Solange niedrige Preise wichtiger sind als saubere und faire Produktionsbedingungen, muss es weiter die „Faire Woche“ mit ihren Informationen und Aktionen geben.

In der nächsten Ausgabe mehr zu diesem Thema.

H.E.

Eine Pandemie ist eine Pandemie ist eine Pandemie ist eine…

Pandemie, denn in unseren Zeiten globaler Vernetzung beschränkt sich so ein Virus nicht auf die eine oder andere Weltgegend.

Glück im Unglück? Es konnten zeitnah wirksame Impfstoffe entwickelt werden, denn viele Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen halten die „Herdenimmunität“ für das wichtigste Mittel im Kampf gegen das Virus und seine Varianten.

Noch immer ist Corona bei uns allgegenwärtig: in Presse und Fernsehen, im Internet, in den sozialen Medien wird informiert, spekuliert, gezweifelt, diskutiert. Und während bei uns in Deutschland viele Menschen zögern, ob sie sich wohl impfen lassen möchten oder doch lieber nicht, warten die Menschen im globalen Süden sehnsüchtig darauf, dass sich die Länder des reichen Nordens solidarisch mit ihnen zeigen.

Vergessen wir also für einen Moment die Frage, in welchem europäischen (Urlaubs)Land gerade welche Beschränkungen und Regelungen für Touristinnen und Touristen gelten und wenden den Blick auf den „armen Süden“.

Die Folgen der COVID-19-Pandemie werden insbesondere für die Ärmsten verheerend sein. Aufgrund von Ausgangsbeschränkungen haben zahlreiche Menschen ihre Einkommen verloren, und es gibt in vielen Ländern des globalen Südens keine soziale Absicherung, die diese Ausfälle auffängt. Häufig fehlt es an Geld und Strukturen, um die wirtschaftlichen Auswirkungen einzudämmen. Immer mehr Menschen fallen in absolute Armut und können ohne Hilfe nicht überleben. Die Wirtschaft bricht dramatisch ein, Nahrungsmittelpreise steigen – die Menschen hungern. Laut Welternährungsorganisation (WFP) könnte sich aufgrund von COVID-19 die Zahl der Menschen, die unter akutem Hunger leiden, fast verdoppeln.

Afrika und COVID 19

„Unkontrollierbare Infektionsketten, Millionen Tote und ein Zusammenbruch der Gesundheitssysteme“, so die anfänglichen Prognosen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Afrika. Anfangs hatte es jedoch durchaus den Anschein, dass Afrika weniger schlimm getroffen würde als andere Kontinente.

Die Regionaldirektorin für Afrika bei der WHO, Dr. h.c. Matshidiso Moeti führte das zurück auf eine „Vielzahl von sozio-ökologischen Faktoren sowie auf frühe und starke Maßnahmen der Regierungen: Ein sehr junges Durchschnittsalter, viel Aktivität an der frischen Luft, sowie die Bevölkerungsverteilung und eingeschränkte Mobilität in vielen ländlichen Gebieten. Außerdem hätten afrikanische Staaten „Maßnahmen wie Reisebeschränkungen, Ausgangssperren und Schulschließungen im Vergleich zu anderen Kontinenten früh umgesetzt oft, bevor ein Land einen Fall entdeckt, hatte“.

Doch diese Erzählung bröckelt. »Afrika hat gerade die bitterste Woche seit Beginn der Pandemie erlebt. Aber das schlimmste kommt noch«, so fasste die WHO-Regionaldirektorin Matshidiso Moeti ernüchtert die Lage zusammen.

So wurde Mitte Juni Uganda von einer neuen „Coronawelle“ der hoch ansteckenden Delta-Variante überrollt. Sauerstoff wurde zur Mangelware, die Krankenhäuser waren am Limit und darüber hinaus, Patienten mussten zu Hause versorgt werden.

»Ich gehe davon aus, dass die Situation in anderen Ländern ähnlich ist. Es ist klar, dass es eine Übersterblichkeit quer durch den afrikanischen Kontinent gibt. Aber sie wird in der Regel nicht erfasst«, sagt Githinji Gitahi, Mitglied der Covid19-Kommission der Afrikanischen Union. Und: »Afrika wurde nicht verschont – Afrika wartet nur«.

Und wo bleibt der Impfstoff?

Seit Ende des Jahres 2020 wird in vielen Ländern gegen das Coronavirus geimpft. Weltweit wurden bisher etwa 2,7 Milliarden Impfdosen verabreicht - davon nur etwa 1,5 % auf dem afrikanischen Kontinent.(Quelle: WHO). Es muss also noch sehr viel mehr getan werden, um die Pandemie tatsächlich und weltweit in den Griff zu bekommen: Ausbau der Produktionskapazitäten für Impfstoffe und/oder freiwillige Lizenzierung von Eigentumsrechten und Technologietransfer … .

Quellen:
Weltgesundheitsorganisation WHO, Welthungerhilfe, Welternährungsorganisation WFP, Unicef, afrika.info

Bruni Müllner

Neue Gesichter beim Verein Weltladen Flein-Talheim e. V.

Nach langer pandemiebedingter Pause konnte am 19.07.2021 endlich wieder eine reguläre und gut besuchte Mitgliederversammlung, diesmal im evang. Gemeindehaus Flein, stattfinden.

Eine Zeit großer Unsicherheit liegt hinter Verein und Weltladen und wichtige Entscheidungen standen an, nämlich eine Art Generationenwechsel im Vorstand, da sowohl Schatzmeister Gerhard Berroth als auch Schriftführer Hans Echter ihre Ämter altersbedingt zur Verfügung stellten. Ebenso stellte Margit Bergmann ihr Amt als Beisitzerin zur Verfügung. Sie übernahm es kurzfristig nach dem allzu frühen Tod von Margret Ossadnik. Frau Bergmann ist weiterhin im Ladenteam aktiv.    

Die Pandemie bestimmte auch im Weltladen weitgehend das Geschehen. Die Vorsitzende Dagmar Hauth ging in ihrem Jahresrückblick ausführlich darauf ein:

Der Weltgebetstag zu Simbabwe im März 20 konnte gerade noch durchgeführt werden, ein paar Tage später ging dann schon nichts mehr. Am 19.03.20 wurde der Weltladen zunächst geschlossen, zumal nicht klar war, wie die Weltläden mit ihrem Sortiment einzuordnen waren. Nachdem der Dachverband „grünes Licht“ gab, konnte der Laden ab 19.04. wieder geöffnet sein. Es gab viele und oftmals wechselnde Einschränkungen, und die Mitarbeiter*innen mussten sich ständig an neue Situationen und Verordnungen anpassen. Dabei hatte der Gesundheitsschutz immer oberste Priorität. Trotz alledem ist es gelungen, den Laden geöffnet zu lassen, zunächst an wenigen Tagen und ab Dezember bis jetzt wieder zu den gewohnten Zeiten.

Wie in vielen anderen Einrichtungen wurde die digitale Kommunikation wichtiger. Dagmar Hauth hat die Zeit genutzt, um die Homepage des Weltladens komplett zu überarbeiten, die vielen Zugriffe auf die Seite www.weltladen-flein-talheim.de sind der Lohn für ihre Mühe.

Auch finanziell ist der Weltladen „mit einem blauen Auge“ davongekommen, wie Gerhard Berroth berichtete. Im letzten Kassenbericht seiner Amtszeit erinnerte er – als  Gründungsmitglied des Vereins – an die „alten Zeiten“ und viele der Anwesenden erinnerten sich gerne mit ihm.

Und das sind „die Neuen“:

Die Nachfolge von Gerhard Berroth tritt bzw. trat seit Anfang des Jahres kommissarisch Wolfgang Heuler an, „Fleinemer“ und als langjähriger Inhaber eines Optikergeschäfts vertraut mit finanziellen Dingen. Als Nachfolgerin von Hans Echter hat sich Bruni Müllner zur Verfügung gestellt, ebenfalls „Fleinemerin“, ehemals Deutschlehrerin und Mitarbeiterin in einer kulturellen Einrichtung. Als Nachfolgerin von Margit Bergmann wurde Monika Gnead gewählt. Wieder angetreten und gewählt wurden Dagmar Hauth als 1. Vorsitzende und Gabi Esch als stellvertretende Vorsitzende. Der gesamte Vorstand wurde einstimmig gewählt. Auch die Kassenprüferinnen wurden neu gewählt. Für die verstorbene Ingrid Schnürle, die lange Jahre dieses Amt innehatte, stellte sich Renate Bach zur Wahl und für Monika Beez, die aus privaten Gründen nicht mehr antrat, Ulrike Schwechheimer. Beide wurden einstimmig gewählt.

Abschließend dankte die Vorsitzende den ausscheidenden Vorstandsmitgliedern, die allesamt auch Gründungsmitglieder sind, für die guten gemeinsamen 16 Jahre. In ihrem Rückblick, gespickt mit Anekdoten von den Anfängen des Vereins, ließ sie die Anwesenden daran teilhaben, wie alles begann und wie sich der Weltladen auch dank des Engagements von Gerhard Berroth, Hans Echter und Margit Bergmann bis heute entwickelt hat. Den Dank bekräftigte sie mit einem Abschiedsgeschenk an die drei Mitvorstände und ihre Partner*innen.   

Diesmal konnte die Sitzung nicht wie üblich mit einem lockeren Zusammensitzen bei einem Gläschen Wein beendet werden. Auch das war leider der Pandemie geschuldet sowie die Version der Bilder!

Bruni Müllner

Ein Lama in Lima

„Hallo, ich bin Paula – kennt mich noch jemand?“
Nein, die beiden Mitarbeiterinnen kennen die junge Frau nicht, die mit einem etwa 4-jährigen Mädchen an der Hand hereinschneit und neugierig um sich blickt. „Fast wie früher“ nickt sie anerkennend und löst dann das im Raum stehende Fragezeichen mit wenigen Worten auf. Als 14/15-Jährige sei sie, mit ihren Eltern damals noch in Flein wohnend, öfter im Weltladen gewesen, habe von ihren Plänen erzählt, später einmal nach Guatemala auszuwandern und habe dann ihre Lieblingsschokolade gekauft. Ausgewandert sei sie nicht, habe dafür aber einen Peruaner geheiratet und lebe jetzt im Rheingau. Ihr Mann Pedro reise beruflich viel in seine Heimat, auch sie selbst sei schon mehrfach dort gewesen – „ein wundervolles Land“, wie sie anmerkt, das nicht nur aus Cusco und Machu Picchu bestehe.
Paula (sie bittet darum, im Weltladen weiterhin so genannt zu werden) gerät ins Schwärmen, wenn sie von den landschaftlichen Schönheiten erzählt, verschweigt aber auch nicht, dass der Bergbau in manchen Gegenden die Natur zerstört und die Menschen krank macht.
Sie habe ganz gut Spanisch gelernt und sogar ein bisschen Quechua. Nein, berufstätig sei sie nach ihrem Studium nicht geworden, plane aber jetzt ein Kinderbuch mit dem Titel „Ein Lama in Lima“ zu schreiben und selbst zu illustrieren. Das Buch erzählt von einem ausgebüxten jungen Lama, das in die 6 ½-Millionen-Hauptstadt gerät und dort einiges erlebt (mehr verrate sie aber nicht). „Auch spiele ich gern auf meiner Gitarre, die ich bei dem bekannten Instrumentenbauer Sabino Quispe in Cusco gekauft habe.
Als die kleine Marie „Mama, ich will heim“ signalisiert, verabschiedet sich Paula (sie will noch einige Freundinnen in der Gegend besuchen, nicht ohne einige Tafeln ihrer Lieblingsschokolade („Zartbitter Orange“ weiß sie noch) zu kaufen (Marie mag lieber „Mango Monkeys“) – „viele liebe Grüße an alle“, wieder draußen ist sie, die Paula, quicklebendig, wie eine 15-Jährige.
Wir freuen uns auf ihren nächsten Besuch, der Rheingau ist ja nicht so weit.

H.E.

„Es honigt“,

sagt der deutsche Imker, wenn die Blätter des Unterholzes im Wald vor Honigtau nur so glänzen – die Lachniden sind am Werk.
Was der mexikanische, guatemaltekische oder chilenische Kollege in diesem Fall sagt, wissen wir nicht.
Was wir aber wissen: Die Deutschen sind „Honigweltmeister“ und: Nur einen Bruchteil des in Deutschland verkauften Honigs können die heimischen Imker anbieten, weshalb der weitaus größte Teil importiert werden muss.
Das reine Honigschlecken ist für die 160.000 deutschen Berufs- oder Hobbyimker die Marktsituation nicht, weil nämlich der Importhonig billiger ist.
Das gilt nicht für den Honig, den die Weltläden anbieten. Ein Imker wollte es wissen, ging in den örtlichen Weltladen, prüfte die Preise und meinte: „Das geht in Ordnung.“
Auch wir finden es in Ordnung, dass die kleinbäuerlichen Imkergenossenschaften faire Preise für ihr Produkt erhalten.
Hier ein Rezept als Belohnung für Ihre Geduld:

Honigmilch mit Himbeeren (gibt’s schon)

½ l Milch, 2 EL Honig, 1/8 l Schlagsahne, 125 g frische oder tiefgekühlte Himbeeren, Zitronenschale
Eiskalte Milch mit Honig, Schlagsahne und der Hälfte der Himbeeren im Mixer schaumig schlagen, in Gläser füllen, die restlichen Himbeeren verteilen.
Mit etwas geriebener Zitronenschale bestreut kalt servieren.

Ob Sie hierzu Deutschen Imkerhonig, Honig aus dem Weltladen oder eventuell ein Gläschen vom Pfarrer, der sein Bienenvolk auf dem Kirchturm stehen hat, oder vom Chefarzt, der sein Hobby auf dem Klinikdach betreibt, einsetzen, bleibt sich gleich.
Schnell gemacht und schmeckt!
(Einige aufwändigere Rezepte auf Nachfrage im Weltladen).
Übrigens: Am 3. Und 4. Juli ist der „Tag der deutschen Imkerei“.

Weitere Infos: hier

H.E.

Wegweiser durchs Label-Labyrinth

nennt die Christliche Initiative Romero (CIR) ihre aktuelle Publikation für alle bewusst einkaufenden Verbraucherinnen und Verbraucher.
Die 60 gängigsten Logos für Lebensmittel und Kleidung wurden auf die Kriterien Soziales, Ökologie und Glaubwürdigkeit abgeklopft und mit Farbmarkierungen bewertet. Wie üblich bedeutet Rot „mangelhaft“ (s. auch die Rote Karte beim Fußball) und grün „anspruchsvoll“, wobei hier sogar eine Steigerung mit Zusatz „Vorbild“ möglich ist.
Beim Kriterium Glaubwürdigkeit reichen die Bewertungen ebenfalls von „mangelhaft“ bis „Vorbild“.
Zu den Getesteten gehört auch unser Hauptlieferant GEPA – zweimal „Vorbild“!
Den Wegweiser gibt’s im Geldbeutelformat kostenlos und als Broschüre mit 186 Seiten für 2,- EUR bei der CIR.
www.labelchecker.de

H.E.

Alle Urlauber,

die durchs Etschtal nach Italien fahren, kennen den einsamen und fotogenen Kirchturm, der als letzter Rest eines Dorfes aus dem Reschensee ragt.
Noch nicht ganz so weit ist das Kirchlein Santa Cruz in Sitio Pariahan in der Bucht von Manila. 1884 erbaut, bietet das Gebäude – und das ganze Dorf – heute ein erbärmliches Bild: Dort wurde weder auf Sand noch im Wasser gebaut, aber der Klimawandel und „Umweltsünden“ machen’s möglich. Jährlich steigt das Wasser um 4 cm. Die Leute kommen mit dem Boot zum Gottesdienst, die Tür steht offen. Drinnen steht man – reicht doch das Wasser „erst“ bis zum Knie.
Andere Gegenden des Inselstaates sind seit Jahrzehnten Partner des Fairen Handels und liefern zum Beispiel Mangoprodukte oder den unvergleichlichen „Urzucker“ Mascobado.
Auf den Philippinen wird Pilpino, Tagalog, Visaya, Spanisch und Englisch gesprochen.
Nicht viel, wenn man an die rund 7.000 Sprachen denkt, die weltweit gesprochen werden, aber es reicht.
Übrigens: Von den 7.000 gehen jährlich etwa 25 verloren.
Die meistgesprochenen Sprachen Mandarin, Spanisch, Englisch, Hindi, Arabisch und weitere, auch Deutsch, werden sicher überleben.
Im Weltladen werden Sie auf Deutsch bedient, auch wenn die Waren aus aller Herren Länder kommen.

H.E.